Als wäre die völlig verdiente 0:5-Niederlage gegen den 1. FSV Mainz 05 nicht schon Grund genug zur Sorge, beschäftigte die HSV-Fans am Sonntagabend ein weiterer Schauplatz.
Das Spiel war längst entschieden, nicht wenige Zuschauer hatten den Volkspark bereits verlassen. Dann kam es jedoch zu einer Szene, die die Gemüter der HSV-Anhänger noch deutlich mehr erhitzte als die indiskutable Leistung ihrer Mannschaft. Aufstiegsheld Ransford Königsdörffer, im Sommer ablösefrei von Hamburg nach Mainz gewechselt, markierte nach seiner Einwechslung den Treffer zum 5:0-Endstand. Ein Moment der persönlichen Genugtuung?
Der beim HSV oftmals kritisierte Angreifer ließ seinen Gefühlen freien Lauf und setzte kurzerhand zum Knierutsch-Jubel an. Als die Zuschauer diese Reaktion mit Pfiffen quittierten, legte Königsdörffer nach und hielt provozierend beide Hände hinter die Ohren. Es folgten hitzige Szenen: Sowohl Nicolai Remberg als auch Fabio Vieira suchten den Austausch mit ihrem Ex-Mitspieler. Dieser wollte in diesem Moment jedoch nicht so recht mit sich reden lassen und feierte lieber mit seinen neuen Teamkollegen.

HSV: Polzin will lieber über die eigene Leistung reden
Remberg, der eigentlich gut mit Königsdörffer befreundet ist, zeigte sich von dessen Verhalten alles andere als angetan. „Ich mag ihn unfassbar gern. Aber ich bin hier Kapitän. Wenn einer vor unseren Fans so jubelt, dann muss ich da hingehen. Das gehört sich nicht, das finde ich nicht korrekt“, stellte er in der Mixed Zone klar und ergänzte: „Das habe ich ihm gesagt. Natürlich hat er hier viel abbekommen. Das hat man von außen gar nicht mitbekommen, wie schlimm die Beleidigungen gegen ihn waren. Aber so ein Jubel hat einen kleinen Beigeschmack.“
Wesentlich diplomatischer äußerte sich hingegen HSV-Coach Merlin Polzin. Der 35-Jährige wollte der Thematik auf der anschließenden Pressekonferenz keine große Bedeutung beimessen. „Wenn wir uns nach so einem Spiel und so einer Leistung an dem Thema aufhängen, wäre das der falsche Ansatz“, machte Polzin deutlich. „Wir haben heute ganz andere Sorgen und Probleme, als uns zu fragen, wie der Jubel nach dem 0:5 aussah.“
Böse Absicht wollte er seinem langjährigen Schützling jedenfalls nicht unterstellen. „Das war sicherlich keine böse gemeinte Entscheidung“, so Polzin. „Da muss man ihn aber direkt fragen.“ Nicht wenige HSV-Fans hätten diese Möglichkeit wohl nur allzu gern.

