Gleich zehn Akteure aus der eigenen Jugend reisten mit der HSV ins Trainingslager. Einige empfahlen sich für höhere Aufgaben.
Heraus stach Louis Lemke, der im Mai mit 16 Jahren und 214 Tagen zum jüngsten Hamburger Bundesliga-Spieler der Vereinsgeschichte avancierte. Schon gegen Rapid Wien gehörte er als linker Schienenspieler der Startelf an. Während der Trainingswoche in Oberlängenfeld war er laut einem Bericht des „Hamburger Abendblatts“ in vielen Übungen Teil der A-Elf. So auch im abschließenden Test gegen Heidenheim (3:1), in dem er erneut eine knappe Viertelstunde vor Schluss als letzter Feldspieler ausgewechselt wurde.
Ein Stammplatz winkt Lemke noch nicht, obwohl er einen sehr überzeugenden Eindruck hinterließ. Er wird sich hinter Miro Muheim einreihen müssen, der nach seiner erst im Viertelfinale endenden WM-Teilnahme mit der Schweiz am Dienstag wieder zur Mannschaft stößt. Doch der HSV plant fest mit seinem aktuell wohl größten Nachwuchstalent. Das Trainerteam würde damit liebäugeln, Lemke im Saisonverlauf mehr und mehr Einsätze zu verschaffen, was jedoch auch eng mit der sportlichen Gesamtsituation zusammen hängen würde.
Neue HSV-Chefin Krüger baut auf Nachwuchsarbeit
Die meiste Einsatzzeit würde Lemke weiterhin im Nachwuchs, etwa bei der als U21 deklarierten Zweitvertretung sammeln. Selbiges gilt wohl für Jason Bissi-Mouelle, der in der Vorsaison schon erste Regionalliga-Einsätze absolvierte. Gegen Rapid Wien (2:3) lief er erstmals für die Profis auf, und zwar sogar in der Rolle des zentralen Innenverteidigers, die in der abgelaufenen Spielzeit Luka Vuskovic bekleidete.
So weit wie das ein Jahr ältere Supertalent, das im Sommer für über 50 Millionen Euro nach Brighton wechselte, ist Bissi-Mouelle noch längst nicht. Trotzdem hinterließ er im Trainingslager einen ordentlichen Eindruck, gefiel vor allem im eigenen Ballbesitz mit seiner Ruhe und Übersicht. Merlin Polzin belohnte das Auftreten mit einem weiteren 45-minütigen Einsatz gegen Heidenheim.
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Immerhin eine runde halbe Stunde kam Thierry Sedlatschek zum Zug. Ihm werde im Trainerteam ein enormes Potenzial nachgesagt. Denn der 17-Jährige bringt neben seiner Schnelligkeit technische Qualitäten mit und fühlt sich auch im Eins-gegen-eins wohl. Gleichzeitig fehlt es noch an der Robustheit, die es benötigt, um sich im Profibereich zu etablieren. Diese wird der Offensivakteur über Regionalliga-Begegnungen mit gestandenen Herrenspieler holen können. Ebenso sei die Sedlatscheks Körpersprache noch ausbaufähig gewesen. Der Gesamteindruck war aber positiv.
Es besteht die Chance, dass der HSV zukünftig wieder vermehrt selbst ausgebildete Spieler aufs Feld schickt. Otto Stange oder Fábio Baldé schafften bereits den Sprung zur Profimannschaft. Besonders erstgenannter genießt einen hohen Popularitätsgrad, was auch die neue Sportvorständin Kathleen Krüger schnell erkannte: „Ich glaube, auch die Fans würden sich darüber freuen, wenn Jungs aus dem eigenen Stall im Volksparkstadion auflaufen. Das löst noch mal eine ganz andere Emotionalität aus. Das wäre für mich ein Fußabdruck, den ich hier gerne hinterlassen würde.“ Der Ball liegt nun bei Lemke und Co., die in Österreich erste Schritte in die richtige Richtung gingen.

