Der HSV hat sich gegen den OSC Lille, der in der kommenden Saison immerhin in der Champions League vertreten sein wird, achtbar aus der Affäre gezogen. Nach 135 Minuten trennten sich beide Teams 2:2.
Positiv: Die Rothosen mussten sich dieses Ergebnis nicht ergaunern, sondern verdienten es sich mit einer ordentlichen Leistung. Insbesondere im ersten von drei Spielabschnitten machte die Mannschaft einen sehr gefestigten Eindruck. Gegen den Drittplatzierten der vergangenen Ligue-1-Saison verzeichnete der HSV sogar über weite Strecken mehr Ballbesitz. „Wenn wir den Plan verfolgen und alle gemeinsam in eine Richtung gehen, dann kann es richtig gut aussehen, so wie es heute insbesondere in der ersten Halbzeit der Fall war“, befand auch HSV-Coach Merlin Polzin.
Sein Kapitän pflichtete ihm bei. „Die erste Halbzeit fand ich sehr ansehnlich. Wir kommen gut nach vorne, kommen gut in die Situationen“, sagte Nicolai Remberg. Doch in den entscheidenden Momenten hapere es teilweise noch, so der 26-Jährige. „Da sind wir immer noch ein bisschen wild.“

Und auch eine weitere Sache störte Remberg. „Wir haben wieder ein dummes Gegentor bekommen“, ärgerte er sich, „genau wie in den letzten Tests.“ Der Hintergrund: Vor dem 0:1 versuchte der HSV, unter hohem Gegnerdruck flach von hinten herauszuspielen. Letztlich war es Jordan Torunarigha, dem ein folgenschwerer Fehlpass unterlief und der so den Treffer der Franzosen ermöglichte. Schon im vorherigen Testspiel gegen den FC Everton (1:2) hatten die Rothosen ihrem Gegner ein Tor praktisch geschenkt. Vor einer Woche liefen sich Torunarigha und Nebenmann Warmed Omari gegenseitig über den Haufen.
HSV: Polzin spricht von fehlenden Verbindungen
Auch Polzin wollte seine Mannschaft nicht gänzlich aus der Kritik nehmen. „Wenn die Connections untereinander nicht da sind, weil die Abstände zu groß sind, dann zieht sich das Spiel auseinander und dann fühlen wir uns nicht mehr wohl“, bemängelte er und spielte damit wohl insbesondere auf die letzten 15 Minuten an. In der Schlussphase ließ seine Mannschaft gleich mehrere hochkarätige Chancen zu und kassierte schließlich auch noch den späten Treffer zum 2:2.
Allzu sehr zu stören schien Polzin das allerdings nicht. „Es war gut für uns, das heute aufgezeigt zu bekommen“, stellte er klar und zog ein positives Gesamtfazit. „Deswegen war es – mal wieder – ein sehr gelungener Test.“ Dass seine Mannschaft an guten Tagen mit einem französischen Spitzenklub mithalten kann, dürfte den HSV-Coach tatsächlich positiv stimmen.

