Es gab in der Vergangenheit mehrere Fälle, in denen sich der HSV in schwierigen Zeiten hinter einen Spieler gestellt hat. Während der Debatte und des Vorwurfs der Identitätstäuschung gegen Bakery Jatta verteidigte der Verein seinen Profi bedingungslos. Noch bevor das Verfahren eingestellt worden war, verlängerten die Rothosen den Vertrag mit ihm vorzeitig.
Das aktuellste Beispiel ist sicherlich das von Mario Vušković. Auch hinter ihn stellte sich die HSV-Vereinsführung und wartete seine Sperre ab. Aktuell darf er wieder mit dem Team trainieren und könnte im November sein Pflichtspiel-Comeback geben. Viele aus dem HSV-Kosmos beteuerten immer wieder seine Unschuld, und niemand schrieb ihn ab.
Wird Ansah zum Vušković 2.0?
Ein ähnlicher Fall bewegt derzeit eine andere Sparte des Vereins. HSV-Topsprinter Owen Ansah wird von der NADA vor geworfen, eine Dopingprobe verweigert zu haben. Auch ihm droht eine Sperre von bis zu vier Jahren. Ansah selbst bestreitet die Vorwürfe und erhält klare Rückendeckung vom Klub. Er verlängerte seinen auslaufenden Vertrag um drei Jahre bis 2029.
Reiht der Sprinter sich also in eine Reihe von Fällen ein, die den Zusammenhalt im Klub über Jahre geprägt haben und identitätsstiftend wirkten? „Ja“, findet HSV-Coach Merlin Polzin: „Das glaube ich. Punkt.“

Angesprochen auf die Causa während der Pressekonferenz vor dem HSV-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart (Samstag, 15:30 Uhr), bemühte er sich zunächst, die richtigen Worte zu finden. Was solche Themen angehe, sei die HSV-Familie aus einer absoluten Überzeugung heraus immer noch enger zusammengewachsen. Die Entscheidungen seien weder naiv noch „nur um sie zu machen“ getroffen worden, sondern aus absoluter Überzeugung.
HSV-Coach Polzin lobt Präsidium
„In anderen Fällen, die bei uns im Bereich Fußball aufgetreten sind, hat der HSV klare Grenzen aufgezeigt und viele Dinge nicht akzeptiert und toleriert. Aber wenn Dinge aus einer Verantwortung und Überzeugung heraus so begründet getroffen werden, dann kann ich das nur absolut begrüßen und unterstützen“, lobte Polzin die Ansah-Verlängerung.
Das Präsidium handele sehr weitsichtig, was den Erfolg und die Zukunft des HSV angeht. Deshalb sei Polzin Fan von der Verlängerungsentscheidung rund um Ansah: „Weil ich Owen auch persönlich kennengelernt habe. Als hilfsbereiten und freundlichen Menschen, der auch mir schon mit Rat und Tat zur Seite stand.“
Er ist sich sicher: Auch in diesem Szenario wird die HSV-Familie erneut aus voller Überzeugung zusammenstehen.

