Auf eine Schlussoffensive ihrer Mannschaft warteten die HSV-Fans beim 1:2 gegen die TSG Hoffenheim vergeblich.
Doch in der fünften Minute der Nachspielzeit bot sich dem Aufsteiger plötzlich eine letzte große Gelegenheit: Nach einer Flanke von der linken Seite kam der eingewechselte Rayan Philippe im Zentrum ziemlich freistehend zum Kopfball. Der Franzose selbst schien damit nicht mehr gerechnet zu haben und setzte die Kugel mehrere Meter weit am Tor vorbei.
Und auch wenn dieser Szene nur eine verschwindend geringe Torwahrscheinlichkeit zugerechnet wurde, steht sie sinnbildlich für die letzten Wochen von Philippe. Der 25-Jährige wartet seit fast drei Monaten auf einen Treffer und stand in gerade einmal zwei der letzten fünfzehn Partien in der Startelf. Gegen den VfL Wolfsburg (2:1) fehlte er aus Leistungsgründen sogar gänzlich im Kader.
Dabei zählte Philippe in der Anfangsphase der Saison zu den auffälligsten Spielern des HSV. Nach sechs Spieltagen standen bereits drei Tore auf seinem Konto. Die 2,5 Millionen Euro, die Claus Costa im Sommer an Eintracht Braunschweig überwiesen hatte, schienen sich voll und ganz auszuzahlen.
„Torjäger Rayan Philippe schießt und tanzt sich in die HSV-Herzen“, titelte der NDR damals. Philippe selbst bezeichnete das Umschaltspiel der Rothosen als „perfekt für meine Art, Fußball zu spielen“.

Philippe ist beim HSV nur noch Ergänzungsspieler
Wenige Monate später ist von einer sich anbahnenden Liebesbeziehung nicht mehr viel zu spüren. Ganz im Gegenteil: Eine Vielzahl an HSV-Fans sprach dem Linksfuß nach dessen einzigen Startelf-Einsätzen in der Rückrunde gegen Bayer Leverkusen (0:1) und den VfB Stuttgart (0:4) sogar das Bundesliga-Niveau ab.
Tatsächlich zeigte Philippe an beiden Tagen eine schwache Leistung. Zusammengerechnet brachte er nur sechs von dreizehn Pässen an den Mitspieler, schoss zudem nur einmal auf das gegnerische Tor. Oder mit anderen Worten: Sein Einfluss auf das hanseatische Offensivspiel war nicht existent.
Aber woran liegt das? Warum ist der vielleicht heißeste HSV-Spieler des Saisonstarts – mit fünf Treffern übrigens noch immer geteilter Top-Torschütze des Teams – nahezu gar kein Faktor mehr? Erklärungsansätze gibt es einige. Die Nicht-Berufung für die Begegnung in Wolfsburg zeigte, dass Merlin Polzin mit Einstellung und Trainingseifer nicht immer vollumfänglich zufrieden ist. Insgesamt gilt Philippe im Volkspark jedoch als professionell und mannschaftsdienlich.
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Ein anderer Ansatz: Der Sommer-Neuzugang zählt zu den schnellsten Spielern der Bundesliga und besitzt seine Stärken vor allem im Umschaltspiel. Vier seiner fünf Saisontore erzielte er nach Kontern. Viermal baute er zudem eine bereits bestehende Führung seiner Mannschaft aus. In neun der letzten zehn Spiele ging der HSV jedoch in Rückstand – oftmals schon zu einem frühen Zeitpunkt. Dementsprechend kleiner wurde die Räume, die in der Folge bespielt werden konnten. Philippes enorme Dynamik kommt in einem solchen Setting weitaus weniger zur Geltung.
Denn zur Wahrheit gehört auch: Muss der HSV selbst aktiv werden und eine tieferstehende gegnerische Abwehrreihe bespielen, hat der Angreifer den Nachweis seiner Bundesliga-Tauglichkeit noch nicht erbracht. Übersicht und Handlungsschnelligkeit gehen ihm teilweise erkennbar hab. Hinzu kommt, dass Philippe nicht die nötige Technik besitzt, um Bälle auf engstem Raum gewinnbringend zu verarbeiten. Über die gesamte Saison hinweg liegt seine Passquote bei 69, seine Dribblingquote nur bei 33 Prozent.
In Hamburg glaubt man jedoch daran, dass sich der Offensiv-Allrounder in diesen Bereichen noch verbessern kann. „Ich möchte, dass er in seinem Alter Dinge lernt, die uns perspektivisch die nächsten Jahre noch weiterhelfen“, erklärte Polzin im März. „So alt ist er nämlich noch nicht.“ Für den Moment ist der bis 2029 unter Vertrag stehende Speedster jedoch außen vor.

