Das mit großer Spannung erwartete Stadtderby zwischen dem FC St. Pauli und dem HSV enttäuschte sportlich auf ganzer Linie. In einer über weite Strecken zähen und zerfahrenen Partie neutralisierten sich beide Teams nahezu komplett.
Viele Zweikämpfe, Unterbrechungen und kompakte Defensivreihen prägten das Geschehen über die vollen 90 Minuten. Klare Torchancen hingegen blieben größtenteils aus. Der HSV besaß die beste Möglichkeit nach einem Standard, St. Pauli setzte erst in der Schlussphase offensive Akzente.
Beide Torhüter rückten nur selten in den Mittelpunkt, verhinderten Gegentreffer aber zuverlässig. So stand am Ende ein torloses Remis, das den Spielverlauf treffend widerspiegelte und den hohen Erwartungen an das Derby nicht gerecht wurde.
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Der HSV gegen St. Pauli in der Einzelkritik:
Daniel Heuer Fernandes: Erlebte eine extrem ruhige erste Halbzeit und war lange nahezu beschäftigungslos. Erst in der Schlussphase rückte er in den Mittelpunkt, als St. Pauli mutiger wurde. Dann war er jedoch voll da, parierte mehrere Abschlüsse souverän und hielt den Punkt fest. Note: 2-
Bakery Jatta: Defensiv erledigte er seine Aufgaben auf der rechten Seite ordentlich und ließ kaum etwas zu. Offensiv blieb sein Einfluss dagegen überschaubar. Zwar hatte er die erste gute HSV-Chance, sein Abschluss wurde jedoch wegen Abseits zurückgepfiffen. Insgesamt konnte er dem Spiel nach vorne nur wenige Impulse verleihen. Note: 3
Nicolas Capaldo: Bestätigte einmal mehr, welch enormen Wert er für die Mannschaft hat. Seine dynamischen Vorstöße aus der Defensive gehören mittlerweile zum festen HSV-Repertoire. Dazu behauptete er sich robust gegen die schnellen St.-Pauli-Angreifer und unterband so mehrere gefährliche Konter. Note: 2
Luka Vušković: Wie fast immer einer der auffälligsten Hamburger auf dem Platz. Überzeugte mit starken Diagonalbällen auf die rechte Seite und löste sich mehrfach bemerkenswert lässig aus dem Anlaufen der Gastgeber. Nach einer Ecke besaß er zudem die beste HSV-Chance (54.). Seine Leistung rechtfertigte die Auszeichnung zum „Man of the Match“. Note: 2
Jordan Torunarigha: Agierte zumeist aufmerksam und zuverlässig, ließ sich kaum überraschen. Mit Ball blieb er allerdings deutlich unauffälliger als zuletzt gegen Gladbach und setzte kaum kreative Akzente im Spielaufbau. Note: 3+
Miro Muheim: In Abwesenheit von Dompé fehlte ihm die offensive Durchschlagskraft. Seine Vorstöße hatten selten Wirkung, zum flanken kam er kaum. Dafür präsentierte sich der Eidgenosse defensiv über weite Strecken stabil und erfüllte seine Aufgaben ohne größere Fehler. Das hat man in dieser Saison auch schon anders gesehen. Note: 3

Nicolai Remberg: Zeigte sich im Zentrum wie gewohnt laufstark und engagiert. Vor allem zu Beginn war er merklich angezündet und suchte viele Zweikämpfe. Seine Gelbe Karte war diskutabel, allerdings unterliefen ihm diesmal auch ein, zwei unnötige Ballverluste. Note: 3
Fábio Vieira: Bemühte sich in einem zerfahrenen Spiel sichtlich um Kontrolle und Struktur. Agierte extrem passsicher, ohne das Spiel entscheidend zu prägen. Gegen den Ball überzeugte er dafür mit hoher Disziplin und starken Zweikampfwerten. Note: 3
Ransford Königsdörffer: Sein Auftritt fügte sich nahezu perfekt ins bislang schwierige Saisonbild ein. Erneut offenbarte er krasse Probleme in Puncto Entscheidungsfindung und Ballbehandlung. Kaum ein Kontakt war sauber, wirkliche Gefahr strahlte er zu keinem Zeitpunkt aus. Note: 5
Alexander Røssing-Lelesiit: Aktuell ist er der Pechvogel des HSV. Nach einem harten Tritt musste er früh angeschlagen vom Feld und konnte dem Spiel so keinen Stempel aufdrücken. Note: Ohne Bewertung
Damion Downs: Hing im Sturmzentrum fast vollständig in der Luft und verlor alle seine vier Zweikämpfe. Blieb ohne nennenswerte Aktion. Nach den bisher gezeigten Auftritten braucht es viel Fantasie, um in ihm den erhofften Goalgetter für die HSV-Offensive zu erkennen. Note: 5
Die Joker:
Fabio Balde (ab 14., bis 68.): Nach unerwartet früher Einwechslung blieb er wirkungslos. Folgerichtig ging es knapp 55 Minuten später wieder auf die Bank. Note: 4-
Robert Glatzel (ab 68.): Als potenziell gefährlicher Zielspieler litt er merklich darunter, das der HSV aus unerfindlichen Gründen nicht mehr zur Schlussoffensive ansetzte. Konnte daher keine Wirkung entfachen. Note: Ohne Bewertung
Jean-Luc Dompé (ab 68.): Der von Merlin Polzin als „Finisher“ angepriesene Franzose nahm in der Schlussphase keinen Einfluss mehr auf die Begegnung. Seine streikende Achillessehne entwickelt sich immer mehr zu einem echten Problem. Note: Ohne Bewertung
Rayan Philippe (ab 68.): Leistete sich einen katastrophalen Fehlpass, als er bei einem Konter den im Zentrum freistehenden Vieira bedienen wollte (82.). Bei diesem Versuch scheiterte er kläglich. Note: Ohne Bewertung
Sambi Lokonga (ab 87.): Stand nur fünf Minuten auf dem Feld, in denen er drei Ballkontakte sammelte. Note: Ohne Bewertung
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