Die Saison des HSV gleicht bislang einer Achterbahnfahrt. Auf drei Bundesliga-Spiele ohne Punkte oder Tore folgten drei Siege und weitere drei Pflichtspielniederlagen. In den letzten sechs Partien traf der HSV immerhin, trotzdem wurde die Kritik in den letzten Wochen wieder lauter – und das nicht nur an der Inkonsequenz in der Offensive und der defensiven Anfälligkeit. Auch taktische Fragen wurden vehement diskutiert.
Viele Anhänger sind der Meinung, dass die insgesamt eher konservative fußballerische Ausrichtung nicht die richtige ist. Trainer Merlin Polzin reagierte am Mittwoch vor dem wichtigen Spiel gegen den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach (Freitag, 20.30 Uhr) deutlich auf diese Kritik.
Angesprochen auf die Systemdiskussion und die geringe Torgefahr sagte Polzin laut der MOPO, dass das ein komplexes Thema sei. „Wir haben niemandem verboten, Tore zu schießen. Und es ist unsere Idee vom Spiel, dass wir gerne mutig und zielstrebig nach vorn spielen wollen“, führte der Übungsleiter anschließend aus.
HSV-Coach Polzin bezieht sich auf Frankfurt-Leistungen
Mit den ersten Saisonwochen sei man im Volkspark sicher nicht zufrieden gewesen, anschließend habe das Trainerteam an ein paar Stellschrauben gedreht. Zudem ging er auf die beiden 1:3-Pleiten gegen Frankfurt ein. „Da hat man schon sehr viel gesehen. Und die erste Halbzeit im Pokal war definitiv die beste Halbzeit, die wir in dieser Saison gespielt haben. Mit viel Zug nach vorn, mit einer Klarheit, mit viel Aktivität“, so Polzin.

In der ersten Partie war der HSV vor allem an der Konsequenz vor dem gegnerischen Tor gescheitert und hatte mehrere Großchancen vergeben. Beim Liga-Auswärtsspiel am Sonntag war die gute Spielphase des HSV wesentlich kürzer. In der zweiten Halbzeit sorgten die Profis bis zur Schlussphase fast zu keinem Zeitpunkt für Gefahr im gegnerischen Sechzehner.
Dreierkette weiterhin unantastbar
Aufgrund dieser Eindrücke jetzt das ganze System infrage stellen? Davon hält Polzin wohl wenig bis gar nichts. „Es ist sicherlich ein Thema für außen, aber meine Aufgabe ist es, den HSV erfolgreich und stabil in der Bundesliga zu etablieren“, begründete er. Die Tugenden, die den Klassenerhalt im letzten Jahr ermöglichten, sind also nach wie vor unverhandelbar.
Viele Anhänger stören sich vor allem an der Dreierkette, wenn die Ergebnisse nicht stimmen. „Es mag nicht jedem schmecken, dass es vielleicht nicht immer das Ansehnlichste ist, wenn man eine Definition von Fußball für sich ausgemacht hat. Aber für uns ist einfach wichtig, dass wir konstant gute Spiele abliefern können bzw. konstant in jedem Spiel die Chance haben, die Punkte zu bekommen“, machte Polzin deutlich.
Welche Lösung im Matchplan er sich stattdessen ausgedacht hat, werden alle HSV-Fans am Freitagabend gegen Gladbach (20.30 Uhr) mit Spannung beobachten.

