Kaum eine Personalie bewegte die HSV-Fans in diesem Sommer so sehr wie der Wechsel von Ludovit Reis. Der Aufstiegsheld schloss sich ausgerechnet Werder Bremen an.
Dass ihr einstiger Liebling nun für den Erzrivalen von der Weser spielt, nahmen die Anhänger zu großen Teilen alles andere als wohlwollend zur Kenntnis – teilweise oberhalb, teilweise aber auch unterhalb der Gürtellinie. „Ich kann die HSV-Fans und ihre Reaktionen und Emotionen verstehen. Aber es gibt eine Grenze“, erklärte der Niederländer Anfang September und kündigte sogar eine vorübergehende Social-Media-Pause an.
Doch längst nicht alle Hamburger reagierten mit Entrüstung. Viele HSV-Fans nahmen den Transfer vor allem mit Galgenhumor zur Kenntnis und stellten dessen sportliche Sinnhaftigkeit infrage. Ganz nach dem Motto: „Was wollt ihr denn mit dem?“
Hintergrund war die enttäuschende Saison, die Reis nach seinem Abgang aus dem Volkspark beim FC Brügge erlebte. Der 26-Jährige bekam in Belgien keinen Fuß auf dem Boden und kehrte nach nur einem Jahr ablösefrei in die Bundesliga zurück. Hinzu kamen hartnäckige Verletzungsprobleme, die ihn schon beim HSV stets begleiteten.
HSV-Anhänger kassieren bittere Retourkutsche
Rund zwei Monate nach Verkündung des Deals muss man jedoch festhalten: Die kritischen und teils spöttischen Kommentatoren aus den HSV-Reihen lagen falsch! Reis spielt bis dato eine herausragende Runde, ist absoluter Stammspieler und mitentscheidend für den starken Bremer Saisonstart. Nach sieben Spieltagen stehen die Grün-Weißen völlig überraschend auf Platz sechs.

Sein wohl bestes Spiel im Werder-Trikot machte der langjährige Hamburger an diesem Wochenende gegen den 1. FSV Mainz 05. Beim 3:2-Auswärtssieg traf er zum zwischenzeitlichen 3:1. Zudem legte er die größte Laufdistanz aller Bremer Akteure zurück.
Angesichts seiner wiederholt starken Leistungen ließen es sich die Werder-Fans wenig überraschend nicht nehmen, heftig in Richtung des Nord-Konkurrenten auszuteilen. „Nein, beim HSV hätte Ludovit Reis keine einzige Minute gesehen in dieser Saison“, schrieb ein Anhänger auf X sarkastisch und erntete dafür fast 300 Likes.
Damit spielte er auf eben jene Stimmen an, die nach dem Transfer behaupteten, für Reis gebe es im durchaus breit besetzten Mittelfeld-Zentrum des HSV keinen Platz. Retourkutschen dieser Art müssen sich die mitlesenden Rothosen aktuell zuhauf gefallen lassen.

