Drei Niederlagen zum Saisonstart, zwei davon mit 0:5: Trotzdem verabschieden die HSV-Fans ihre Mannschaft nach den Klatschen gegen Mainz und Leipzig mit Gesängen und Applaus.
Diese durchaus überraschende Reaktion sorgte anschließend sowohl in den Medien als auch in der Anhängerschaft für teils lebhaft geführte Diskussionen. War die bedingungslose Unterstützung tatsächlich das richtige Signal an eine Mannschaft, die zuvor zweimal in Serie untergegangen war?
Für Merlin Polzin ist die Antwort eindeutig. Der HSV-Trainer beobachtete die Debatte nach der Leipzig-Pleite genau und zeigte sich über Teile der Bedenken sogar verwundert. „Mit berechtigter sachlicher Kritik setzen wir uns auseinander“, sagte Polzin nach dem 2:1-Erfolg über den 1. FC Köln. Es habe allerdings auch Stimmen gegeben, „die uns irritiert haben“, weil der HSV mit dem Aufstieg und dem Klassenerhalt „seit fast zwei Jahren etwas auf den Weg gebracht hat, was deutlich stabiler ist als drei Niederlagen gegen zwei Champions-League-Teilnehmer“.
Besonders stieß Polzin ein Aspekt auf. „Mich hat schon irritiert, dass Kritik darüber aufkam, dass die Fans uns unterstützen“, erklärte der 35-Jährige. Dann legte er nach: „Das war glaube ich die Kirsche auf der Sahnetorte.“

HSV will „in guten und in schlechten Zeiten zusammenstehen“
Aus Sicht des Trainers war die Unterstützung der Nordtribüne vielmehr ein entscheidender Faktor dafür, dass der HSV gegen Köln die Wende schaffte. Schon beim Aufwärmen sei die Kurve „voll da“ gewesen, anschließend sprang der gesamte Volkspark nach und nach auf. „Dieses Stadion ist dann einfach für die Mannschaft da. Dann entsteht eine Magie“, sagte Polzin.
Auch Daniel Heuer Fernandes sah einen direkten Zusammenhang zwischen der Reaktion in Leipzig und dem ersten Sieg der Saison. „Wenn du dort Applaus und gnadenlose Unterstützung bekommst nach dem zweiten 0:5, hat es dort begonnen, dass wir die Leistung heute so abrufen konnten“, erklärte der Torhüter.
Nicht nur deshalb hat Polzin den Zusammenhalt zwischen Mannschaft, sportlicher Führung und Fans als entscheidenden Faktor ausgemacht. „Wir wollen in guten und in schlechten Zeiten zusammenstehen“, formulierte er mit Nachdruck. Genau das hätten auch die vergangenen Wochen samt des erlösenden Siegs über Köln gezeigt.

