Die Vertragsverlängerung von Merlin Polzin und seinem Trainerteam ist offiziell. Am Freitagnachmittag meldete der HSV Vollzug.
Damit setzten die Rothosen trotz des Fehlstarts in die neue Saison samt null Punkten und 0:12 Toren ein klares Zeichen. Der Zeitpunkt der Verlängerung sorgt allerdings für heftige Diskussionen. Die früheren Bundesliga-Profis Martin Harnik und Max Kruse äußerten im Podcast „Flatterball“ deutliche Zweifel an der Entscheidung der Hamburger Verantwortlichen.
Harnik bezeichnete die Maßnahme angesichts der jüngsten Ergebnisse als verfrüht. Die Resultate zum Saisonstart seien „wirklich schlecht“, die Mannschaft wirke derzeit nicht gefestigt. Deshalb hätte der frühere HSV-Stürmer die Verlängerung vorerst „auf Hold“ gesetzt.
Auch Kruse kann die Entscheidung nur bedingt nachvollziehen. „Es ist ein solidarisches Zeichen vom HSV. Ja, wir vertrauen unserem Trainer. Ja, wir wollen, dass er das Ruder herumreißt“, sagte der traditionell meinungsstarke Ex-Profi. Nach drei Niederlagen und zuletzt zwei 0:5-Klatschen hält er eine langfristige Verlängerung bis 2029 jedoch „nicht für das richtige Signal“. Seine Empfehlung: „Vertrauen können sie zeigen, indem sie ihn im Amt lassen.“

Besonders deutlich wurde Harnik mit Blick auf die letzten Auftritte der Rothosen. Die neue Sportvorständin Kathleen Krüger hätte die Lage nach dem Debakel von Leipzig aus seiner Sicht noch einmal neu bewerten müssen. Entscheidungen dürften im schnelllebigen Fußballgeschäft nicht in Stein gemeißelt sein. Sein Fazit fiel entsprechend kritisch aus: „Das Risiko ist höher als die Chance.“
HSV verteidigt Polzin gegen Kritiker
Beim HSV sieht man die Situation grundlegend anders. Krüger verteidigte die Verlängerung am Freitag offensiv. „Unser grundsätzliches Bekenntnis haben wir frühzeitig und zuletzt immer wieder klar kommuniziert“, erklärte die Sportvorständin. „Vertrauen bedeutet nicht, dass Ergebnisse zweitrangig werden, sondern basiert auf kritischer Auseinandersetzung.“ Gerade deswegen habe man die Verträge „aus voller Überzeugung“ verlängert.
Krüger ist sich sicher: Polzin und sein Trainerstab bereichern den HSV „mit ihrer Expertise, ihrer Akribie, ihrem Fleiß und ihrer tagtäglichen Leidenschaft.“ Trotzdem liegt es in der Natur Sache, dass die Hanseaten schnellstmöglich den Weg aus ihrer sportlichen Krise werden finden müssen. Im anstehenden Heimspiel gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, Sky/RTL) kann ein erster Schritt in diese Richtung gemacht werden.

