Louis Lemke hat im Test gegen den OSC Lille (2:2) den starken Eindruck der letzten Wochen bestätigt. Das HSV-Juwel zeigte seine bislang wohl beste Leistung.
Den etwas mehr als 20.000 Zuschauern im Volksparkstadion gefiel es sichtlich, was der 16-Jährige gegen den Königsklassen-Klub aus Frankreich auf den Rasen zauberte. Gleich mehrmals hallte ein Raunen durch das Publikum, als Lemke zum Dribbling ansetzte oder seinen Gegenspieler mit einer simplen Körpertäuschung fast schon spielend leicht stehen und ins Leere rauschen ließ.
Doch es waren nicht nur einzelne Highlights, die nahelegten, warum das Eigengewächs im vierten Testspiel dieses Sommers schon zum vierten Mal in der Startelf stand. So überzeugte Lemke gegen die Franzosen auch defensiv. Durch clevere Positionierung gelang es ihm immer wieder blendend, die naturgemäß noch vorhandenen körperlichen Nachteile zu kaschieren. Trainer Merlin Polzin dankte es seinem Schützling, indem er ihn satte 90 Minuten lang auf dem Feld ließ. Auf diese Spielzeit kamen ansonsten nur Sander Tangvik, Warmed Omari und Kapitän Nicolai Remberg.

HSV-Anhänger von Lemke begeistert
Doch nicht nur Polzin und die Anhänger im Volkspark waren angetan von der jüngsten Lemke-Leistung. Auch im Netz reagierten viele HSV-Fans begeistert. „Lemke darf gerne Stamm spielen, allein um seinen Marktwert in die Höhe schießen zu lassen. Der hat die ganze Vorbereitung kaum bis gar keine Fehler gemacht“, schrieb ein User auf X und befand: „Der ist sowas von ready.“
Tatsächlich scheint Lemke deutlich näher an regelmäßigen Bundesliga-Minuten zu sein, als man dies zu Beginn der Vorbereitung noch vermuten konnte. Klar ist trotzdem: Der HSV will den Teenager nicht verheizen und wird zunächst aller Voraussicht nach auch weiterhin auf Stamm-Linksverteidiger Miro Muheim setzen. Der Schweizer kehrte nach seiner WM-Teilnahme erst kürzlich aus dem Urlaub zurück. Dementsprechend wird er derzeit mit Verzug in die Mannschaft integriert.
Und dennoch: Die ursprüngliche Idee, Muheim einen externen Herausforderer an die Seite zu stellen, wirkt nach den bisherigen Eindrücken der Vorbereitung fast schon wie aus der Zeit gefallen. Am wahrscheinlichsten ist aktuell wohl, dass der HSV lediglich einen Rechtsverteidiger verpflichtet. Im besten Fall kann dieser auch auf der linken Schiene eingesetzt werden. Einen direkten Positionskonkurrenten vor die Nase gesetzt zu bekommen, hätte Lemke angesichts seiner starken Entwicklung allerdings nicht verdient.

