Das 2:3 gegen Rapid Wien dürfte beim HSV bereits wenige Minuten nach Abpfiff vergessen gewesen sein. Zu viele positive Aspekte gab es trotz der Pleite.
Insbesondere Youngster Louis Lemke spielte sich gegen den österreichischen Rekordmeister in den Vordergrund. Das 16-jährige Eigengewächs hinterließ bei seinem ersten Startelfeinsatz im Profi-Team einen starken Eindruck. Weil der HSV-Kader noch zahlreiche Baustellen aufweist und mehrere Stammkräfte fehlten, setzte Trainer Merlin Polzin in Wien bewusst auf die Jugend. Neben Lemke standen mit Jason Bissi-Mouelle und Elias Lahti gleich zwei zusätzliche Nachwuchsspieler von Beginn an auf dem Platz. Weitere Talente erhielten in der zweiten Halbzeit ihre Chance.
Besonders aufmerksam verfolgten die Zuschauer jedoch den Auftritt von Lemke. Der Linksverteidiger, der in der vergangenen Saison zum jüngsten Bundesliga-Spieler der HSV-Geschichte aufstieg, durfte bis zur 77. Minute auf dem Feld bleiben. Zwar unterlief ihm ein unglückliches Eigentor, insgesamt präsentierte sich der deutsche U17-Nationalspieler jedoch äußerst mutig und engagiert. Das zwischenzeitliche 2:1 von Albert Grønbaek ermöglichte er zudem durch einen clever getimten, raumöffnenden Lauf.
Auch Polzin zeigte sich zufrieden. Der Coach betonte nach der Partie, wie wichtig solche Einsätze für die Entwicklung der Talente seien. „Das sind Momente, in denen sie merken, was noch fehlt, aber in denen wir auch merken, wie weit sie schon sind“, wurde der 35-Jährige vom Hamburger Abendblatt zitiert. Über Lemke sagte er zudem: „Er hat ein bisschen mehr gespielt als der eine oder andere, das hat er sich verdient.“

HSV-Kapitän lobt Lemke in den höchsten Tönen
Besonders positives Feedback erhielt das HSV-Juwel von Kapitän Yussuf Poulsen. „Man muss Louis loben, er hat über 75 Minuten zum ersten Mal auf dem Niveau auf der linken Schiene gespielt und das sehr gut gemacht“, sagte der Däne nach dem Abpfiff.
Lemke profitiert derzeit auch personell von der Situation im Kader. Stammspieler Miro Muheim befindet sich nach der Weltmeisterschaft noch im Urlaub, Herausforderer Noah Katterbach wechselte zu Eintracht Braunschweig. Da sich darüber hinaus auch die Rechtsverteidiger William Mikelbrencis und Giorgi Gocholeishvili verabschiedten, fahndet der HSV derzeit nach Verstärkungen für beide Defensivseiten.
Trotzdem besitzt Lemke die große Möglichkeit, in den kommenden Wochen weitere Pluspunkte zu sammeln. Klar ist jedoch auch: Der HSV plant langfristig mit seinem Top-Talent. Oder wie Polzin es formulierte: „Für ihn ist es erst der Anfang, wir werden ihn weiter behutsam aufbauen.“

