So langsam aber sicher nimmt die Saisonvorbereitung des HSV an Fahrt auf. Nach dem Auftakt im dänischen Helsingör und einer anschließenden Trainingswoche im Volkspark wartet am Samstagabend der erste echte Härtetest des Sommers.
Um 19 Uhr gastieren die Rothosen beim österreichischen Rekordmeister SK Rapid Wien, ehe es direkt weiter ins Trainingslager nach Tirol geht. Dort steht unter anderem ein Testspiel gegen Bundesliga-Absteiger 1. FC Heidenheim (25. Juli, 13.30 Uhr) auf dem Programm.
Für Trainer Merlin Polzin sind die kommenden Tage also von enormer Bedeutung. Es geht nicht nur darum, erste Abläufe einzustudieren und die Mannschaft auf die neue Saison vorzubereiten. Auch zahlreiche Personalfragen sind noch offen. Einige Spieler kämpfen um ihre Zukunft, andere wollen sich für größere Rollen empfehlen. Drei Profis stehen dabei ganz besonders im Fokus.
Fabio Baldé: Neue Chance auf ungewohnter Position?
Seit mittlerweile zwei Jahren gehört Fabio Baldé zum Kreis der HSV-Profis. Der endgültige Durchbruch blieb dem 20-Jährigen bislang jedoch verwehrt. In den vergangenen beiden Spielzeiten stand er nur achtmal in der Startelf. Insgesamt sammelte er zwei Tore sowie vier Vorlagen.
Trotzdem verfügt der der portugiesische U20-Nationalspieler bereits über einen beachtlichen Marktwert von fünf Millionen Euro. Der Grund: Baldé bringt außergewöhnliche athletische Voraussetzungen mit, ist flexibel einsetzbar und durch seine Nationalmannschaftsleistungen auch international auf dem Radar. Entsprechend überrascht es nicht, dass immer wieder Interesse anderer Vereine aufkommt. Im Winter soll der RSC Anderlecht ein Angebot abgegeben haben, zudem wurde Baldé mehrfach mit Klubs aus Portugal in Verbindung gebracht.

Ein Abschied ist deswegen aber keineswegs beschlossene Sache. Solange keine attraktive Millionenofferte eintrudelt, plant Polzin mit seinem Schützling. Spannend wird dabei vor allem die Positionsfrage. Laut Hamburger Abendblatt testet der HSV-Coach Baldé aktuell auf der rechten Schiene.
Dort suchen die Hamburger weiterhin nach einer langfristigen Toplösung und hoffen, diese in Elias Baum von Eintracht Frankfurt gefunden zu haben. Baldé könnte sich allerdings als ernstzunehmender Herausforderer positionieren und in der internen Hierarchie an Bakery Jatta vorbeiziehen. Seine Physis und sein immenses Tempo befähigen ihn zumindest auf dem Papier dafür. Ob das Experiment auch unter Wettkampfbedingungen funktioniert, dürften die anstehenden Testspiele zeigen – sofern der zuletzt leicht angeschlagene Baldé rechtzeitig fit wird.
Louis Lemke: Das größte HSV-Juwel klopft an
Kaum ein Nachwuchsspieler sorgt derzeit für so viel Vorfreude wie Louis Lemke. Der 16-Jährige gilt als das größte Talent im Nachwuchsleistungszentrum der Rothosen. Bereits in der vergangenen Saison gehörte der Linksverteidiger zweimal zum Profikader. Beim 3:2 gegen den SC Freiburg wurde er kurz vor Schluss eingewechselt und avancierte damit zum jüngsten Bundesliga-Spieler der HSV-Geschichte.
Neben seinem Talent besitzt Lemke noch einen weiteren Trumpf: seine Position. Hochveranlagte Linksverteidiger sind rar gesät, das gilt für den nationalen wie auch für den internationalen Markt. Der deutsche U17-Nationalspieler, der in neun Länderspielen bereits drei Tore erzielte, verlängerte seinen Vertrag im vergangenen Oktober bis 2028.

Weil Miro Muheim nach dem WM-Aus mit der Schweiz noch im Urlaub weilt und Noah Katterbach den Verein in Richtung Eintracht Braunschweig verlassen hat, dürfte Lemke in der Vorbereitung reichlich Einsatzzeit erhalten. Sowohl gegen Rapid Wien als auch gegen Heidenheim könnte er sogar in der Startelf stehen.
Der HSV will und wird den Teenager weiterhin behutsam aufbauen. Trotzdem deutet vieles darauf hin, dass Lemke in der kommenden Saison deutlich häufiger zum Spieltagskader gehören wird als noch im Vorjahr.
Rayan Philippe: Liebe auf den zweiten Blick?
Die erste HSV-Saison von Rayan Philippe besaß Licht und Schatten. Mit fünf Treffern lag der Franzose hinter den Leihstars Fabio Vieira und Luka Vuskovic immerhin auf dem geteilten dritten Rang des teaminternen Torjäger-Rankings. Wirklich zufrieden mit dem ersten gemeinsamen Jahr dürften aber weder der Spieler selbst noch der Verein gewesen sein.
Während Philippe in der Hinrunde noch regelmäßig von Beginn an spielte, verlor er in der Rückserie zunehmend an Bedeutung. Lediglich drei weitere Startelfeinsätze kamen hinzu. Ein Tor gelang ihm in den letzten dreieinhalb Saisonmonaten überhaupt nicht mehr. Beim Gastspiel in Wolfsburg (2:1) wurde er aus disziplinarischen Gründen sogar aus dem Kader gestrichen. Grundsätzlich genießt der 25-Jährige aber einen guten Ruf. Philippe gilt als professionell, mannschaftsdienlich und trainingsfleißig. Deshalb hoffen beide Seiten auf eine erfolgreiche zweite gemeinsame Saison.

Die Voraussetzungen dafür könnten aktuell kaum besser sein. Nach den Abgängen von Ransford Königsdörffer und Robert Glatzel ist der HSV-Angriff personell dünn besetzt. Hinzu kommt: Otto Stange befindet sich nach der U19-EM noch im Urlaub, Alexander Rössing-Lelesiit arbeitet nach seiner Sprunggelenksverletzung am Comeback. Weitere Sturm-Neuzugänge sind bislang ebenfalls nicht eingetroffen.
Philippe wird in den kommenden Testspielen deshalb zwangsläufig viele Minuten sammeln. Obwohl er in der vergangenen Saison häufig auf dem Flügel eingesetzt wurde, fühlt er sich als hängende Spitze am wohlsten. Genau dort könnte er nun die Gelegenheit bekommen, sich nachhaltig für größere Aufgaben zu empfehlen und in der Gunst von Polzin wieder nach oben zu klettern.

