Die abgelaufene Saison hatte aus HSV-Sicht viele schöne Geschichten zu bieten. Doch aktuell sorgt keine Positionsgruppe für mehr positive Schlagzeilen als das Torwartteam.
Während Daniel Heuer Fernandes gerade seinen Vertrag verlängert hat, wurde Ersatzkeeper Sander Tangvik überraschend in Norwegens WM-Kader berufen. Dahinter sammeln mit Hannes Hermann und Fernando Dickes zwei weitere Talente bereits Erfahrungen in den Junioren-Nationalmannschaften. Dass gleich mehrere Hamburger Keeper auf diesem Niveau auf sich aufmerksam machen, kommt nicht von ungefähr.
Wie Bild nun enthüllt hat, steckt hinter der Entwicklung ein klarer Plan sowie ein außergewöhnlich detaillierter Trainingsansatz. Verantwortlich dafür ist Torwarttrainer Sven Höh, der seit 2021 beim HSV arbeitet und mit seinem Team inzwischen eine eigene Torwartphilosophie etabliert hat.
„Dass wir einen WM-Fahrer stellen, ist für uns nicht selbstverständlich und freut uns sehr“, sagt Höh. Die Nominierung von Tangvik wertet der 42-Jährige als Bestätigung für die tägliche Arbeit auf dem Trainingsplatz. Dazu gehört unter anderem der sogenannte „Goalkeeper Power Day“, an dem die Torhüter bereits vor dem restlichen Team mit einer eigenen Athletik-Einheit in die Woche starten.
Neben Kraft und Dynamik geht es dabei vor allem um Entscheidungsfindung. Trainingsinhalte wie das „Torwart-Haus“ oder die sogenannte „Red Zone“ sollen den Keepern helfen, Situationen im Eins-gegen-eins schneller und klarer zu lösen. Ziel ist es, in Druckmomenten möglichst automatisiert zu handeln.

HSV: Tangvik musste sich an neue Methoden gewöhnen
„Das Ziel ist, dass unsere Torhüter in Stresssituationen eben keinen Stress verspüren“, erklärt Höh. Grundlage dafür seien klare Prinzipien, intensive Videoanalysen und eine detaillierte Gegner-Vorbereitung. Dafür analysiert der Fachmann Gegentore und Paraden aus mehreren Ligen und bespricht diese regelmäßig mit seinem Team.
Auch Neuzugang Tangvik musste sich an einige Methoden zunächst gewöhnen. „Ich wollte die Mannschaft, das Land, die Stadt und neue Trainingsmethoden kennenlernen“, sagte der Norweger nach seiner WM-Nominierung. Inzwischen scheint dieser Plan vollends aufgegangen zu sein.
Dass der HSV inzwischen einen über 100 Seiten umfassenden Ausbildungskatalog für seine Torhüter entwickelt hat, unterstreicht den Anspruch. Die starke Entwicklung auf dieser Position ist also alles andere als ein Zufall.

