Der HSV kehrte nach siebenjähriger Abstinenz in die Bundesliga zurück und geriet kaum in Abstiegsnöte. Absehbar war der Erfolg nicht unbedingt.
Die Hanseaten vollzogen im vergangenen Sommer nämlich einen großen Umbruch mit über 20 Kaderbewegungen. Darüber hinaus wich das Trainerteam um Merlin Polzin vom aktiven Ballbesitzstil im 4-3-3-System hin zur Dreierkette verbunden mit einer wesentlich defensiveren Herangehensweise ab. Die Test- sowie ersten Pflichtspiele verliefen wenig verheißungsvoll. Aufwind gab es durch drei Verpflichtungen kurz vor Schließung des Transferfensters.
Aus dem Norden Londons wechselten Luka Vuskovic, Albert Sambi Lokonga und Fábio Vieira in die Hansestadt. Das Trio nahm maßgeblichen Einfluss auf die positive Entwicklung im weiteren Saisonverlauf. Andere Neuzugänge sowie aber auch Aufstiegshelden wussten ebenfalls zu überzeugen, sodass sich die Wahl der drei prägendsten Akteure schwierig gestaltete. Letztlich setzen sich folgende Spieler durch:
Luka Vuskovic – im Teenageralter schon Führungskraft
Über Monate hinweg buhlte der HSV um den Bruder des weiter eine umstrittene Dopingsperre absitzenden Mario Vuskovic, plante fest mit ihm als Abwehrchef. Die erstaunlicherweise aktuell abstiegsgefährdeten Tottenham Hotspur erteilten erst Ende August grünes Licht. Luka Vuskovic gab sein Debüt daher erst am dritten Spieltag beim 0:5 in München und zahlte reichlich Lehrgeld.
Doch er lernte schnell dazu. Schon eine Woche später war damals noch 18-Jährige für das erste Hamburger Bundesliga-Tor seit dem 12.05.2018 verantwortlich. Auch in der Folge stach er regelmäßig heraus, wurde von der DFL mehrfach zum Rookie des Monats gewählt. Vuskovic erledigte seine defensiven Kernaufgaben zuverlässig – besonders in der Luft verlor er kaum ein Duell – und erzielte darüber hinaus noch sechs Saisontore. Unter anderem traf er spektakulär mit der Hacke im Nordderby gegen Werder Bremen und köpfte im Rückspiel gegen die Bayern zum 2:2 ein.
Nur die Raute – von HSV-Fans für HSV-Fans
„Diese Persönlichkeit, die er schon ausstrahlt. Ich glaube, dass da etwas ganz Großes nicht herangewachsen ist, sondern etwas ganz, ganz Großes noch kommen kann“, schwärmte Sky-Experte Lothar Matthäus am Rande der Partie. Als Vuskovic drei Begegnungen am Stück verletzungsbedingt fehlte musste der über weite Strecken der Spielzeit defensiv stabile HSV gleich neun Gegentore schlucken, was nochmals seine Wertigkeit unterstrich. Zukünftig wird er höchstwahrscheinlich dauerhaft ohne den auch in der kroatischen A-Nationalmannschaft gesetzten Innenverteidiger auskommen müssen – und seinen Abgang wohl kaum kompensieren können.
Daniel Heuer Fernandes: Auch in der Bundesliga Leistungsträger
Bereits seit 2019 läuft Daniel Heuer Fernandes für den Hamburger SV auf. Doch uneingeschränktes Vertrauen genoss er trotz weitestgehend guter Leistungen nur selten. So musste der Torhüter seinen Stammplatz an Julian Pollersbeck, Sven Ulreich und Matheo Raab abgeben. Doch er meldete sich immer wieder zurück, gehörte zu den Gesichtern der Aufstiegssaison, wobei vor allem der gehaltene Elfmeter gegen Ulm ewig in Erinnerung bleiben wird.
Mit dem vom FC Bayern ausgeliehenen Daniel Peretz wurde Heuer Fernandes im vergangenen Sommer ein namhafter Konkurrent vor die Nase gesetzt. Unbeeindruckt davon entschied er das Duell für sich. Erste lautere Zweifel an seiner Bundesliga-Tauglichkeit infolge eines Patzers gegen St. Pauli ließ der Deutsch-Portugiese schnell verstummen. Denn im weiteren Saisonverlauf sicherte er seiner Mannschaft mit regelmäßigen Glanzparaden wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Exemplarisch dafür standen die Spiele gegen Heidenheim, die auch jeweils auf die andere Seite hätten kippen können, oder auch das Unentschieden gegen den FC Bayern. Beim Fachmagazin kicker avancierte der auch mit dem Ball am Fuß weiterhin sicher auftretende Heuer Fernandes zum notenbesten Torhüter der Saison. Dennoch wird er sich in der Vorbereitung auf die neue Saison erneut einem harten Konkurrenzkampf stellen müssen. Bereits im Winter kam der Norweger Sander Tangvik als potenzieller Nachfolger und deutete in Leverkusen mehr als nur an, in die erste Reihe rücken zu können.
Fábio Vieira: Der Unterschiedsspieler
HSV-Anhänger trauten ihren Augen kaum, als sie im vergangenen Sommer die Nachricht lasen, dass Fábio Vieira sich möglicherweise ihrem Verein anschließen würde. Noch 2022 wechselte dieser nämlich für 35 Millionen Euro Ablöse vom FC Porto zum FC Arsenal, konnte dort aber nur im ersten Jahr ein wenig Fuß fassen. Über eine Leihe zurück nach Porto führte der Weg des offensiven Mittelfeldakteurs nach Hamburg, wobei der Draht des ehemaligen Sportvorstandes Stefan Kuntz zu Berater Jorge Mendes eine zentrale Rolle spielte.
Schon bei seinem ersten Heimspiel gegen Heidenheim unterstrich Vieira, fußballerisch für den Bundesliga-Abstiegskampf vollkommen überqualifiziert zu sein. Anschließend tauchte er jedoch ab, auch begründet durch zwei umstrittene Platzverweise. Ab dem Winter aber riss der Portugiese das Hamburger Spiel an sich und stieg zum besten Torschützen des Teams auf. Unter anderem netzte er technisch höchst anspruchsvoll per Volley nach gelungener Brustannahme das sehenswerte 2:1-Siegtor in Frankfurt, was dem HSV letztlich endgültig den Verbleib im Oberhaus sicherte.
Darüber hinaus bereitete Vieira fünf weitere Tore vor und bildete mit Nicolai Remberg sowie Albert Sambi Lokonga, die zweifellos ebenfalls zu den auffälligsten Spielern der Saison zählten, ein Mittelfeldzentrum mit durchaus gehobenem Bundesligaformat. Seine spielerischen Finessen hinterließen nach sieben Jahren mit teils sehr zähen Zweitliga-Partien bleibenden Eindruck bei den Fans im Volksparkstadion und dürften schmerzlich vermisst werden. Denn auch bei Vieira erscheint ein Verbleib nur schwer vorstellbar.

