Am Samstag tritt der HSV bei Werder Bremen an. Das ohnehin stets aufgeheizte Nordderby erhält durch die tabellarische Konstellation zusätzliche Brisanz.
Denn beide Mannschaften sind weiterhin in den Abstiegskampf verwickelt. Die Bremer trennen fünf Spieltage vor Saisonende nur drei Zähler vom Relegationsplatz, den seit einigen Wochen der FC St. Pauli belegt. Der HSV besitzt immerhin sechs Punkte Punkte Vorsprung, ist zudem mit dem wesentlich besseren Torverhältnis ausgestattet. Die Ausgangslage ist also vielversprechend – besonders in Anbetracht dessen, dass viele Beobachter dies vor Beginn der Spielzeit nicht für möglich gehalten hätten.
Dennoch nahm die Skepsis rund um den Volkspark in den vergangenen Wochen zu. Die Hanseaten bauten spielerisch zunehmend ab und gewannen nur eine der vergangenen acht Partien, nämlich glücklich mit 2:1 beim in der Rückrunde immer noch sieglosen VfL Wolfsburg. Die jüngste 0:4-Schlappe beim turmhoch überlegenen VfB Stuttgart stellte den Tiefpunkt der Negativentwicklung dar. Lediglich Torhüter Daniel Heuer Fernandes erreichte Normalform.

HSV-Coach Polzin strebt erneuten Derbysieg an
Seine Vordermänner präsentierten sich offensiv harmlos und defensiv ohne den verletzungsbedingt fehlenden Abwehrchef Luka Vuskovic abenteuerlich, sodass sie letztlich mit dem Endresultat noch gut bedient waren. Nun gelten die auf Rang drei liegenden Schwaben nicht als Maßstab für einen um den Klassenerhalt kämpfenden Aufsteiger, doch der Auftritt warf beim Blick auf das Restprogramm viele Fragen auf. Der HSV misst sich den letzten vier Spielen nämlich ausschließlich mit Europapokal-Aspiranten, wo er mit vergleichbaren Darbietungen ebenfalls leer ausgehen wird.
Vorher steht jedoch das Nordderby beim SV Werder Bremen an. Die Vorzeichen scheinen angesichts der schwachen Form sowie des erneuten drohenden Ausfalls von Vuskovic – im Hinspiel ein sensationelles Hackentor erzielend – nicht sonderlich gut zu stehen. Doch es gibt auch positive Meldungen. So bahnt sich die Rückkehr von Albert Sambi Lokonga an, der in den Vorwochen schmerzlich vermisste Nicolás Capaldo dürfte sogar wieder Teil der Startelf sein.
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Außerdem dürften die Erinnerungen an das Hinspiel den Optimismus wecken. Der HSV siegte bei fantastischer Atmosphäre im Volksparkstadion trotz eines Pausenrückstandes mit 3:2. „Wir haben das erste Duell gewonnen. Das wollen wir wiederholen“, betonte Merlin Polzin am Rande einer Trainingseinheit. Dafür muss seine Mannschaft jedoch dringend wieder mutig im Spiel mit dem Ball agieren sowie das Energielevel finden, mit dem er sogar den FC Bayern München (2:2) in Bedrängnis brachte.
Werder tritt auf der Stelle
Dem Rivalen von der Weser erging es in den vergangenen Wochen übrigens nicht besser. Der Trainerwechsel von Horst Steffen zu Daniel Thioune – in der Corona-Spielzeit 2020/21 mit seinem damaligen Assistenten Polzin beim HSV tätig und kurz vor Saisonende entlassen – verpuffte punktemäßig. Aber auch die Leistungen blieben wechselhaft. Erst am Sonntag unterlag der SVW dem 1. FC Köln mit 1:3 und trug mit haarsträubenden individuellen Fehlern in der Anfangsphase maßgeblich dazu bei.

Siege gab es in den neun Begegnungen unter Thioune gegen die Tabellenschlusslichter Heidenheim und Wolfsburg sowie nach rund 70-minütiger Überzahl beim kriselnden 1. FC Union Berlin, der erst jüngst Trainer Steffen Baumgart entließ. Ein Entkommen aus der bedrohlichen Zone gelang zu keinem Zeitpunkt. Der sehr unausgewogen zusammengestellte Kader dürfte allerdings wohl jeden Coach der Welt vor Probleme stellen.
Darüber hinaus steht Kapitän Marco Friedl am Samstag rotgesperrt nicht zur Verfügung und der Einsatz von Jens Stage – als Box-to-Box-Spieler mit sieben Treffern erfolgreichster Schütze – ist noch fraglich. So gehen auch die Bremer mit reichlich Sorgen in die 158. Auflage des Nordderbys. Dieses kommt für den HSV trotz der eigenen schwierigen Phase keineswegs zur Unzeit, sondern bietet vielmehr eine große Chance den wohl letzten noch fehlenden Sieg auf dem Weg zum frühzeitigen Klassenerhalt zu holen.

