Gerade für einen Aufsteiger erlebt der HSV eine verhältnismäßig sorgenfreie Bundesliga-Saison. Das ist auch das Ergebnis einer durchdachten Transferstrategie.
Gleich 15 Neuzugänge stießen zur Mannschaft, vier davon erst im Winter. Nach dem geschafften Aufstieg wurde der Kader in einem zuvor selten gesehenen Ausmaß umgekrempelt. Trotzdem stehen die Rothosen stabil da, woran zahlreiche der Neuen einen großen Anteil besitzen.
Hinter den Transfers steckt ein klar strukturiertes Scouting-System, das nun von Sport Bild dargelegt wurde. Sportdirektor Claus Costa und Chefscout Sebastian Dirscherl setzen auf langfristige Beobachtung statt kurzfristiger Schnellschüsse. Eine zehnköpfige Scouting-Abteilung arbeitet dezentral in ganz Deutschland, unterstützt von einer eigens entwickelten Datenplattform. Die Mischung aus statistischer Analyse und klassischen Live-Eindrücken bildet das Fundament jeder Verpflichtung.
Besonders wichtig sind für den HSV sogenannte „Kernmärkte“ wie Frankreich, die Schweiz oder Österreich. Von dort stammen mehrere Verstärkungen, die gezielt nach spezifischen Profilen ausgewählt wurden. Entscheidend ist dabei nicht nur die Leistung auf dem Papier, sondern der intern definierte „X-Faktor“. Das sind Eigenschaften, die Spieler von vergleichbaren Kandidaten abheben.

HSV fährt mehrgleisige Strategie
Ein Spezialgebiet der Hanseaten sind außerdem Transfers, die erst auf den letzten Metern oder sogar am Deadline Day selbst abgewickelt werden. Spieler wie Fábio Vieira oder Albert Sambi Lokonga galten bereits als große Talente und wechselten früh zu einem Top-Klub wie dem FC Arsenal. Dort stagnierte ihre Entwicklung jedoch aufgrund von Verletzungen oder mangelnden Einsatzzeiten. Genau hier setzt der HSV an: Die Scouts verfolgen solche Karrieren über Jahre hinweg und schlagen zu, sobald sich eine realistische Chance ergibt.
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Parallel dazu investiert der Klub verstärkt in junge Talente mit Entwicklungspotenzial. Der Norweger Alexander Røssing-Lelesiit oder der Franzose Aboubaka Soumahoro sind Beispiele für diesen Ansatz. Auf diesem Weg sollen künftig auch Transferüberschüsse erzielt werden, um den Verein wirtschaftlich stabiler zu machen.
Schon jetzt plant die Scouting-Abteilung auch das nächste Transferfenster. Dort gilt es insbesondere, geeignete Nachfolger für Spieler wie Vieira oder Luka Vuskovic zu finden. Denn dass die beiden Ausnahmekönner auch in der kommenden Saison für den HSV auflaufen werden, ist alles andere als gewiss.

