Der HSV geht mit viel Selbstvertrauen, aber auch mit einer klaren Portion Demut in seine zweite Bundesliga-Saison nach dem Wiederaufstieg.
Trainer Merlin Polzin machte auf dem Volksparkfestival am Samstag deutlich, dass der Klassenerhalt aus dem Vorjahr für seine Mannschaft keineswegs eine Garantie für eine sorgenfreie Zukunft darstellt. Vor mehr als 10.000 Fans sprach der 35-Jährige offen über die Herausforderungen, die den HSV in den kommenden Monaten erwarten. Dabei formulierte Polzin (via Bild) eine klare Botschaft: „Im vergangenen Jahr waren wir der Aufsteiger. Für viele war die Bundesliga neu. Jetzt haben wir eine andere Situation.“ Deshalb sei für ihn klar: „Wir haben nur eine Chance, wenn wir überperformen.“
Für den HSV bedeutet das vor allem eines: Die Mannschaft muss ihre Grenzen verschieben. „Wenn wir bei allem, was wir tun, die Komfortzone verlassen“, erklärte Polzin, könne der nächste Entwicklungsschritt gelingen. Mit Blick auf die bisherige Vorbereitung zeigte er sich zufrieden: „Da sind die Jungs auf einem sehr guten Weg.“
Ein zentrales Stichwort lautet dabei Intensität. Schon Torwart Daniel Heuer Fernandes berichtete, dass das Trainerteam den Profis aktuell „vieles abverlangt“. Polzin selbst verriet, dass die Mannschaft zuletzt regelmäßig zwei bis zweieinhalb Stunden auf dem Trainingsplatz gestanden habe. „Die Jungs sind todmüde, richtig platt“, sagte der HSV-Coach und kündigte an: „Wir werden eine andere Mannschaft erleben als wir sie im vergangenen Jahr hatten. Es wird eine Mannschaft, die maximal intensiv sein wird.“

HSV hat in Puncto Intensität noch Nachholbedarf
Genau hier hatten die Rothosen in der vergangenen Saison noch Nachholbedarf. Nach einer detaillierten Analyse stellte das Trainerteam fest, dass vor allem die Phasen zwischen eigenem Ballbesitz und gegnerischem Ballbesitz nicht konsequent genug gespielt wurden. „Wir waren zu langsam im Kopf und konnten aus unterschiedlichen Gründen Intensitäten nicht gehen“, erklärte Polzin kürzlich bereits gegenüber HSV.de.
Die Zahlen unterstreichen diese Erkenntnis. Mit 3898,6 abgerissenen Kilometern stellte der HSV das laufschwächste Team der Bundesliga. Auch bei den intensiven Läufen belegten die Hanseaten den letzten Platz.
Umso größer ist nun der Anspruch, sich weiterzuentwickeln. Trotzdem warnt Polzin vor überzogenen Erwartungen. „Es wird wieder eine Runde, die uns alles abverlangen wird“, betonte der Trainer. Gute und schlechte Phasen seien unvermeidbar. Erfolg könne es nur geben, „wenn wir es gemeinsam machen. Alle gemeinsam in eine Richtung.“ Trotz der knappen Niederlage machte der jüngste Test gegen den FC Everton (1:2) auf diesem Weg einen guten Anfang.

