Der HSV kassierte eine unglückliche Niederlage beim SC Freiburg. Im Mittelpunkt stand während der über 100 Minuten andauernden Begegnung zumeist Schiedsrichter Timo Gerach.
Dabei soll der Schiedsrichter eigentlich nicht der Hauptprotagonist sein. Gern gesehen ist es, wenn er sich im Hintergrund hält und den Spielern ihren Freiraum gewährt, aber eingreift, wenn die Notwendigkeit besteht. Gerach besaß am Samstagnachmittag von Beginn an eine andere Arbeitsauffassung. Er erwischte keinen guten Tag. Schon nach vier Minuten sah Daniel Elfadli nach einem Allerweltsfoul gegen Yuito Suzuki und anschließendem kurzen Gerangel eine überzogene Gelbe Karte. Sie sollte noch Folgen haben.
Ohnehin wählte der Unparteiische eine sehr kleinliche Linie und ließ wenig Spielfluss aufkommen. Oftmals führten leichte Faller zu einem Freistoßpfiff, für den der geneigte Premier-League-Beobachter wohl nur Kopfschütteln übrig gehabt hätte. Der 39-jährige Pfälzer blieb bei seiner Vorgehensweise, was schließlich auch im Freiburger Elfmeter mündete. Lucas Höler nahm einen Kontakt von Elfadli dankend an. Gerach ließ es sich anschließend nicht nehmen, den Verteidiger wegen der Verhinderung einer aussichtsreichen Möglichkeit die Ampelkarte zu zeigen. Vincenzo Grifo traf vom Punkt zum Ausgleich. Doch damit noch nicht genug.
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Freiburger Siegtor: Gerach mit irritierender Erklärung
In der Folge blieb der Schiedsrichter weiter pingelig. Vor allem störte er sich an Kleinigkeiten wie dem kurzen Wegschießen des Balles oder Spielern respektive Trainern, die den Kontakt zu ihm suchten. So sahen Daniel Heuer Fernandes und Merlin Polzin die Gelbe Karte, ohne sich erheblich zu beschweren. Die seit Sommer 2024 im Regelwerk verankerte Kapitänsregel gibt Gerach Recht. Kommunikation auf Augenhöhe – von führenden deutschen Schiedsrichtern wie Deniz Aytekin, Daniel Siebert oder Sven Jablonski vorgelebt – war aber nicht existent.
All diese Mängel wären aus Hamburger Sicht zu verkraften gewesen, wenn es nicht zur spielentscheidenden Szene in der 83. Minute gekommen wäre. Igor Matanovic netzte aus kurzer Distanz zum Freiburger Siegtreffer ein. Kurz zuvor erwischte jedoch Johan Manzambi Verteidiger Jordan Torunarigha im Kopfballduell eindeutig mit dem Ellbogen im Gesicht. Auch nach kurzer Rücksprache mit VAR Arne Aarnink zählte das Tor, womit Gerach erheblich von seiner vorherigen Linie abwich.

Nun sind Schiedsrichter genauso Leistungssportler wie Profifußballer. Schlechte Tage gehören zu einer jeden Karriere dazu. Gerach krönte seinen erschreckend selbstherrlichen Auftritt allerdings nach Spielende im DAZN-Interview, indem er auch nach Anblick der TV-Bilder keinen Fehler erkannte: „Ich nehme wahr, dass der Stürmer die bessere Position zum Ball hat und auch zum Ball geht. Der Abwehrspieler kommt von hinten. Es gibt irgendwo einen Kontakt, aber für mich ist und war das alles fußballtypisch. Ich sehe jetzt nicht das typische ‚Ich gehe hoch und schaue nach dem Gegenspieler und habe irgendwie eine Schlagbewegung‘. Das habe ich nicht wahrgenommen.“
Den Ellenbogenschlag von Manzambi als „fußballtypischen Kontakt“ einzustufen, aber den gesamten Spielverlauf über nahezu jedes Einsteigen am Rande des Foulspiels zu ahnden, mutet schon arg fragwürdig an. Zugleich fügte sich Gerach ideal in das – abgesehen von wenigen Ausnahmen – zurzeit vorherrschende Bild der DFB-Schiedsrichter ein, das von einer ungesunden Mischung aus schlechter Entscheidungsqualität, unsouveränem Auftreten sowie einer nicht vorhandenen Fehlerkultur geprägt ist – und beim HSV schon nach der 1:4-Niederlage in Köln für großen Ärger sorgte.

