Tom Mickel weiß, wovon er spricht, wenn es um das Hamburger Stadtderby geht. Der langjährige HSV-Keeper hat als Spieler den bis dato letzten Derbysieg der Rothosen beim FC St. Pauli miterlebt.
Am Millerntor triumphierte der HSV im März 2019 klar und deutlich mit 4:0. Im Interview mit HSV.de machte der 36-Jährige vor der aktuellen Ausgabe am Freitagabend (20.30 Uhr, Sky) unmissverständlich klar, welchen Stellenwert dieses Duell besitzt: „Für mich hat dieses Spiel die größte Bedeutung! Dieses Spiel steht – genauso wie das Nordderby gegen Werder Bremen – außerhalb jedes Rahmenspielplans.“
Mickel, der 2019 auf der Bank saß, erinnert sich noch gut an die besonderen Umstände jenes Abends. „Schon bei unserer Ankunft wurde klar, dass wir in diesem Stadion nicht erwünscht sind. Unser Mannschaftsbus wurde etwa mit Eiern beworfen“, erzählte er lachend. Auf dem Platz sei das Spiel dann „wie im Rausch“ gewesen: „Das war unglaublich! Es hat alles funktioniert.“ Gemeinsam mit Spielern wie Fiete Arp habe er versucht, die Mannschaft von außen zu pushen.
Unvergessen blieb auch die Atmosphäre nach dem Abpfiff. „Die Stimmung war der Wahnsinn!“, so Mickel. „Man hat in den Augen jedes einzelnen Fans gesehen, wie viel ihm dieser Erfolg bedeutet.“ Für ihn stand fest: „Wir haben in diesem Moment unterstrichen, dass wir die Nummer 1 der Stadt sind.“
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Mai 2024: Der „wichtigste“ Derbysieg des HSV?
Doch auch aktuellere Derbys haben für den Ex-Torwart großes Gewicht. Besonders der 1:0-Heimsieg im Mai 2024 ist ihm im Gedächtnis geblieben, als St. Pauli im Volkspark hätte aufsteigen können. „Das durfte nicht passieren“, stellte Mickel klar und verwies in diesem Zusammenhang auch auf den Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans, die sich vor der Partie noch einmal zusammengerauft hätten. Dabei besaß der HSV zu diesem Zeitpunkt nahezu keine Aufstiegschancen mehr.
Was Derbys – unabhängig vom jeweiligen Tabellenstand – entscheidet, sei ohnehin klar: „Alles, was vorher in der Saison war, ist egal. Es zählt nur, was am Tag des Derbys ist.“ Fußballerisch, so Mickel, gehe es weniger um Details als um Mentalität, Überzeugung und Physis.
Mit welcher Mentalität der Klub das anstehende Duell bestreiten wird, kann der HSV-Veteran ein halbes Jahr nach seinem Karriereende allerdings nicht mehr beeinflussen. „Ich schaue mir das Spiel mit meiner Familie zu Hause im Fernsehen an“, berichtet er. „Wir werden natürlich fleißig die Daumen drücken!“

