Durch den Ausfall von Sambi Lokonga durfte Fabio Vieira gegen Borussia Mönchengladbach auf seiner Lieblingsposition ran. Eindrucksvoll wurde dabei deutlich, welche Bereicherung er in dieser Rolle für das HSV-Spiel ist.
Es lief die 25. Minute, als ein lautes Raunen durch das Volksparkstadion ging. Soeben hatte Vieira seinen Gladbacher Gegenspieler mit einem lässigen Hackentrick düpiert und anschließend einen präzisen, raumöffnenden Pass auf die rechte Außenbahn gespielt. Nur wenige Sekunden später, der HSV war noch immer im Ballbesitz, lupfte er die Kugel traumhaft lässig in den gegnerischen Strafraum.
Auch wenn diese spielerischen Glanzlichter letztlich nicht von einem Torerfolg gekrönt waren, zeigen sie glasklar auf, welchen Kicker die Rothosen da eigentlich in ihren Reihen haben. Ohnehin gleicht es einem Fehler in der Fußball-Matrix, dass ein Spieler wie Vieira kurz vor dem Erreichen seines besten Alters überhaupt bei einem Bundesliga-Aufsteiger gelandet ist. Einem Fehler, der nur durch viele glückliche Fügungen möglich wurde. Glücklich aus HSV-Sicht.
Denn im Kampf gegen den Abstieg sicherten sich die Hanseaten einen Unterschiedsspieler, dessen Güteklasse man nicht allzu häufig in den unteren Tabellenregionen vorfindet. Wie außerordentlich gut Vieira ist, untermauern seine herausragenden Werte in Puncto Chancenkreation und Passspiel. Sein Scoring-Output (ein Tor, drei Vorlagen) tut das noch nicht.
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Der HSV hat ein Luxusproblem in der Zentrale
Zurückführen kann man besagte Ausbeute zumindest teilweise auf die verhältnismäßig geringe Menge an Spielzeit. Auch aufgrund zweier Platzverweise stand der 25-Jährige erst in 811 Bundesliga-Minuten auf dem Platz.
Zeitgleich ist klar, dass Vieira bislang nur selten in seiner idealen Rolle eingesetzt wurde. Da Nicolai Remberg und Sambi Lokonga auf der Doppelacht des HSV verständlicherweise gesetzt sind, bleibt für den linksfüßigen Edeltechniker oft nur der rechte Flügel. Und auch wenn Vieira dort deutlich eher als Halbraum- denn als klassischer Außenbahnspieler agiert, wird seinen Qualitäten mit dieser Positionierung nicht ausreichend Rechnung getragen.
Das zeigte sich gegen Gladbach eindrucksvoll. An der Seite von Remberg durfte Vieira von Beginn an in der Mittelfeld-Zentrale ran. Sofort nahm er das Zepter des HSV-Spiels in die Hand und initiierte massenhaft gefährliche Momente. Aus den mickrigen 27 Ballkontakten gegen Freiburg, als Vieira rechts startete, wurden 72. „Fabio wollte zeigen, dass die Leistung aus dem Freiburg-Spiel nicht unser Maximum ist“, erklärte Merlin Polzin später. „Dabei hat er uns alle mal wieder eines Besseren belehrt und gezeigt, was für Qualitäten er hat.“

Schon in der kommenden Woche könnte allerdings eine Rückkehr auf den ungeliebten Flügel bevorstehen. Lokonga, der gegen Gladbach aufgrund einer Wadenverletzung passen musste, wird im Stadtderby gegen den FC St. Pauli wieder zur Verfügung stehen. Aus diesem Grund wollte und konnte Polzin seinem besten Techniker keine Garantie auf das Zentrum aussprechen. „Es ist das Schöne als Trainer, wenn man aus solchen Spielern wählen kann“, entgegnete er diplomatisch und hat damit einerseits Recht. Andererseits gilt es schnellstmöglich eine Lösung zu finden, um die außerordentlichen Qualitäten des Fabio Vieira auf einer wöchentlichen Basis zu maximieren.

