Der HSV hat sich am frühen Montagmorgen erstmals offiziell zu den aktuellen Vorwürfen gegen den ehemaligen Sportvorstand Stefan Kuntz geäußert.
Zuvor hatte sich Kuntz am Sonntagabend über Instagram zu Wort gemeldet. Die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen wies er entschieden zurück.
Auslöser der öffentlichen Debatte ist eine Recherche von Bild, laut der mehrere Mitarbeiterinnen des HSV Kuntz verbale sexuelle Belästigung vorwerfen. Der 63-Jährige reagierte darauf mit einem kurzen Statement in den sozialen Medien. Er erklärte, ihn hätten „zahlreiche Anfragen wegen der aktuellen Berichterstattung“ erreicht. „Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück! Im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen habe ich meine Anwälte (Kanzlei Schertz Bergmann) darum gebeten, gegen diese FALSCHEN Vorwürfe und Vorverurteilungen vorzugehen“, stellte der Europameister von 1996 klar.
Zugleich sprach Kuntz davon, sich als Opfer einer „Verleumdungskampagne“ zu sehen. Laut dem Bericht habe er bereits Anfang Dezember Anzeige gegen Unbekannt wegen Stalkings bei der Staatsanwaltschaft Hamburg erstattet. Der HSV ließ zunächst mitteilen, dass das Verhalten von Kuntz durch eine Hamburger Kanzlei auf mögliche Compliance-Verstöße geprüft werde. Der Klub verwies in diesem Zuge erneut auf seine Mitteilung vom 2. Januar. Demnach habe Kuntz den Aufsichtsrat „aus persönlichen familiären Gründen gebeten, zum 31.12.2025 auszuscheiden“.
Nur die Raute – Alle News rund um den HSV
HSV: „Vorwürfe einer ‚Verleumdungskampagne‘ klar unzutreffend und irreführend“
Nach der öffentlichen Stellungnahme von Kuntz sah sich nun aber auch der HSV-Aufsichtsrat zu einer eigenen Erklärung veranlasst. Darin heißt es einleitend, der HSV habe die Beendigung der Zusammenarbeit „zum Schutz der Betroffenen bislang diskret und rücksichtsvoll behandelt“. Weiter erklärt das Kontrollgremium: „Im Dezember 2025 sind an den Aufsichtsrat der HSV Fußball Management AG Vorwürfe eines schwerwiegenden Fehlverhaltens von Stefan Kuntz herangetragen worden.“
Der Aufsichtsrat habe „gemäß seiner Verantwortung sofort nach Kenntnisnahme der Vorwürfe mit Unterstützung spezialisierter externer Anwälte die Aufklärung der Vorfälle eingeleitet“. Nach „sorgfältiger Prüfung und der Erkenntnis, dass die Vorwürfe glaubhaft sind“, sei „umgehend entschieden“ worden, „eine schnellstmögliche Trennung von dem Vorstandsmitglied anzustreben“. Dabei habe „aufgrund der expliziten Bitte der betroffenen Personen“ deren Schutz „oberste Priorität“ gehabt und habe diese weiterhin.
„Stefan Kuntz hat auf dieser Grundlage und insbesondere in Kenntnis der gegen ihn erhobenen Vorwürfe der Trennung zum 31.12.2025 zugestimmt. Er war dabei anwaltlich vertreten“, heißt es weiter. Zudem betont der Aufsichtsrat: „Die Gelegenheit zur Stellungnahme gegenüber dem Aufsichtsrat hat Herr Kuntz trotz mehrfacher Angebote explizit nicht genutzt.“ Vor diesem Hintergrund seien „die Vorwürfe einer ‚Verleumdungskampagne‘ gegen Stefan Kuntz klar unzutreffend und irreführend“.
Abschließend unterstreicht der Aufsichtsrat seine grundsätzliche Haltung: „Der HSV duldet unabhängig von der betroffenen Hierarchieebene kein Fehlverhalten der hier in Rede stehenden Art und bekennt sich nachhaltig zu den in der Satzung niedergelegten Werten der Toleranz und des Respekts und wendet sich gegen Diskriminierung jeder Art.“ Der Schutz der Persönlichkeitsrechte der betroffenen Personen stehe für den Verein weiterhin „im Vordergrund“.

