Das bittere Pokalaus gegen Eintracht Frankfurt (1:3) ist auch mit zwei Tagen Abstand noch nicht ganz verdaut. Trotzdem gibt es beim HSV Anlass zur Zuversicht.
Ex-Präsident Marcell Jansen zeigt sich insbesondere von der neuen Hamburger Flügelzange angetan. David Møller Wolfe und Zakaria El Ouahdi hätten das Potenzial, den Rothosen langfristig viel Freude zu bereiten. „Der HSV hat mit den Transfers des Duos einen Top-Job gemacht. Der Verein hat tolle Profile gescoutet und dann verpflichtet“, lobte Jansen die Verantwortlichen gegenüber der Bild.
Auch die Leistung gegen Frankfurt bewertete der 40-Jährige trotz des Ausscheidens positiv: „Hamburg hat seine Sache trotz sieben Ausfällen sehr ordentlich gemacht. Es war ein Duell auf Augenhöhe.“ Vor allem ein Aspekt gefiel dem ehemaligen Nationalspieler: „Die Dynamik über die beiden Flügel ist beim HSV überragend, wird im modernen Fußball immer wichtiger.“ Gerade weil das Zentrum häufig dicht sei, komme es zunehmend auf gewonnene Eins-gegen-eins-Duelle und anschließende Flanken an. Doch liefern die neuen HSV-Stars in diesen Bereichen bislang tatsächlich?
Jansen sicher: Flügel-Duo „wird dem HSV viel Freude bereiten“
Fest steht: Bei Møller Wolfe stimmt bislang vor allem die defensive Stabilität. Im eigenen Ballbesitz hingegen gibt es noch jede Menge Luft nach oben: Nur zwei seiner acht Offensivduelle konnte er gewinnen, lediglich 18 Prozent seiner Flanken fanden einen Mitspieler. Dass der Norweger auch nach vorne Akzente setzen kann, bewies er dennoch. Gegen den Köln (2:1) leitete er mit einem präzisen langen Ball den Führungstreffer ein, in Hoffenheim (3:2) provozierte er mit einem beherzten Vorstoß die spielentscheidende Gelb-Rote Karte für Bernardo.
Jansen, seiner Zeit ebenfalls Linksverteidiger, erkennt im 24-Jährigen ohnehin ein spannendes Gesamtpaket: „Møller Wolfe bringt die nötige Reife und Dynamik ins HSV-Spiel. Seine Physis ist beeindruckend. Von ihm kann der 17-jährige Louis Lemke vieles abschauen. So kann sich der Junge im Schatten entwickeln, wird sicherlich in dieser Saison auf seine Einsatzzeiten kommen. Eine tolle Konstellation für Louis.“

El Ouahdi wiederum bringt etwas andere Qualitäten mit. Der zehn Zentimeter kleinere und deutlich wendigere Marokkaner gewinnt rund zwei Drittel seiner Dribblings, muss in Puncto Chancenkreation und Entscheidungsfindung aber ebenfalls noch zulegen. Sein größtes HSV-Highlight war die Vorlage auf Miro Muheim beim emotionalen Last-Minute-Sieg über den VfB Stuttgart (1:0), auch im Pokal gegen Frankfurt stimmte die Leistung.
Jansen prophezeit daher: „Die neue Flügelzange wird dem HSV in den kommenden Jahren noch viel Freude bereiten.“ Damit das keinesfalls kostengünstige Duo die hohen Erwartungen erfüllt, müssen auf die vielversprechenden Ansätze künftig allerdings regelmäßigere Erträge folgen.

