Rund um die 0:5-Klatsche des HSV im eigenen Stadion gegen Mainz kann man nur von einer waschechten Blamage sprechen. Und nach so einem Debakel wird gut und gerne stets gefragt: Woran hat es eigentlich gelegen? In diese Diskussion hat sich jetzt auch Ex-HSV-Keeper René Adler eingeschaltet.
Er nannte im Gespräch mit der Bild-Zeitung drei Gründe für den feigen, schwachen und fast schon unterwürfigen Auftritt auf eigenem Geläuf.
War Polzin zu ungeduldig?
Einerseits natürlich das Offensichtliche: die sechs Neuzugänge in der Startelf. Für den 41-Jährigen, der selbst 129-mal für den HSV auflief, sei diese Entscheidung von Coach Merlin Polzin „nicht aufgegangen“. Adler ergänzte: „Jeder Coach will so schnell wie möglich Abläufe und Automatismen im neuen Team implementieren. Doch einige Transfers wurden spät realisiert.“

Womöglich zu spät. Zumindest für den Startelfeinsatz wenige Tage später.
Dabei waren es genau diese Last-Minute-Transfers von Zakaria El Ouahdi, David Møller Wolfe und Fabio Vieira, die für tosenden Transferapplaus bei den Fans gesorgt hatten. Auch der Rest der Bundesliga staunte nicht schlecht über die hochkarätigen Verstärkungen am Deadline Day.
Macht der HSV diesen Fehler?
Apropos Vieira: Die Hoffnung, die viele in die Rückkehr des Spielmachers setzen, sei laut Adler auch ein riskantes Unterfangen. „Fabio kann nicht alle HSV-Probleme lösen“, warnte der Ex-Torwart davor, jedes Wochenende eine One-Man-Show des Portugiesen zu erwarten. Vieira könne für besondere Momente sorgen, aber: „Der Rest muss auch funktionieren.“
Ein Abgang ist der letzte und schwerwiegendste Grund dafür, dass das Mainz-Spiel im Debakel enden konnte. Verlieb dich niemals in einen Leihspieler – das wissen wir alle. Vielen HSV-Fans ist das allerdings nicht gelungen, dem Abwehrchef der letzten Saison wird sicherlich noch lange hinterhergetrauert.

Luka Vušković spielt jetzt bei Brighton, und sein Fehlen merkt man dem HSV an allen Ecken und Enden an. Das sieht auch René Adler so. „Vušković war trotz seines Alters ein absoluter Leader des HSV-Teams. Seine Ausstrahlung und Power fehlen sehr“, bilanzierte Adler. Der erst 19-Jährige habe jeden Mitspieler besser gemacht.
Adler bleibt optimistisch
Trotz allem steckt der Ex-Profi mit Blick auf diese Saison den Kopf nicht in den Sand. Er habe keine Befürchtungen, dass der HSV mit diesem Personal nicht bundesligatauglich ist. „Ich hoffe, dass alle ruhig bleiben und den Schlüssel zum Erfolg finden“, erklärte er mit Blick auf die nächste Spielzeit. Kurzfristig hält er den HSV auch am Sonntag in Leipzig nicht für chancenlos. Das Team von der Elbe müsse schließlich eine Reaktion zeigen, also: „Warum nicht dort?“
Eine Einstellung, die sicherlich alle Fans der Rothosen gerne teilen würden.

