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Nur die Raute » Frankreich-Kenner erklärt HSV-Coup: Darum passt Adeline perfekt zu Polzin!
HSV News

Frankreich-Kenner erklärt HSV-Coup: Darum passt Adeline perfekt zu Polzin!

Philipp Overhoff
Philipp Overhoff
17. Juli 2026
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Martin Adeline
Foto: IMAGO

Als der HSV am Montagabend die Verpflichtung von Martin Adeline offiziell machte, sorgte vor allem die Zahl vier für großes Aufsehen.

Denn gerade einmal vier Millionen Euro Ablöse überwiesen die Hamburger für den Franzosen an den ES Troyes AC. Das klingt für einen Verein in seinem zweiten Bundesliga-Jahr zunächst nach einer stattlichen Investition. Betrachtet man jedoch die Entwicklung des 22-Jährigen, wirkt dieser Deal wie ein absolutes Schnäppchen. Schließlich wird Adelines Marktwert mittlerweile auf rund zehn Millionen Euro taxiert. Doch wer ist der Spieler, der künftig die Offensive des HSV beleben soll?

Der späte Durchbruch

Adelines Karriere verlief bislang keineswegs geradlinig. Ausgebildet wurde er in der prestigeträchtigen Jugendakademie des französischen Serienmeisters Paris Saint-Germain. Im Sommer 2020 wechselte er zu Stade Reims und debütierte dort bereits mit 18 Jahren in der Ligue 1. Nach zunächst ausgebliebenem Durchbruch folgten Leihstationen bei Rodez und Annecy. Erst in Troyes entfaltete der 13-malige französische Junioren-Nationalspieler allerdings sein volles Potenzial.

In der vergangenen Saison zählte Adeline zu den wichtigsten Bausteinen im Aufstiegsteam der Champenois. Mit zehn Toren und zehn Vorlagen in 36 Pflichtspielen avancierte er zum zweitbesten Scorer der gesamten Ligue 2. Doch Adeline bringt weitaus mehr mit als nur einen prall gefüllten Statistikbogen. „Er ist ein sehr vielseitiger Spieler, der vom Profil eher ungewöhnlich und nicht unbedingt leicht zu definieren ist“, sagt Podcaster und Sportjournalist Jakob Haffke, der bestens mit dem französischen Fußball vertraut ist. „Ich würde ihn als modernen Spielmacher bezeichnen, der nicht nur auf seine Qualitäten mit dem Ball am Fuß vertraut.“

Tatsächlich lässt sich Adeline kaum in eine klassische Schublade stecken. Er kann auf der Zehn spielen, in den Halbräumen sowie auf beiden Flügeln agieren oder sogar etwas tiefer im Mittelfeld eingesetzt werden. Seine größte Stärke liegt dabei nicht in spektakulären Dribblings oder artistischen Kunststücken, sondern in seiner Spielintelligenz.

Kreativspieler mit Arbeiter-Mentalität

Die Zahlen unterstreichen diesen Eindruck: Adeline kreierte in der vergangenen Saison 62 Chancen – ligaweit der zweitbeste Wert. Hinzu kamen zwölf Großchancen, womit er in dieser Kategorie auf dem zweiten Platz rangiert. Seine zehn Vorlagen waren sogar Bestwert der gesamten Liga.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Sein Expected-Assists-Wert lag „nur“ bei 5,4, was auf eine besonders effiziente Chancenverwertung seiner Mitspieler hindeutet. Dennoch zeigen die Daten eindrucksvoll, wie regelmäßig Adeline dazu in der Lage ist, torgefährliche Situationen heraufzubeschwören. Gleichzeitig hebt sich der Rechtsfuß in Puncto Defensivarbeit von vielen klassischen Kreativspielern ab. „Nicht zu unterschätzen ist seine Arbeitsrate und sein Wille, sich auch gegen den Ball in den Dienst der Mannschaft zu stellen“, erklärt Haffke.

Martin Adeline
Foto: IMAGO

Tatsächlich gehörte Adeline unter den Mittelfeldspielern der Ligue 2 in nahezu allen Defensivstatistiken zu den Spitzenreitern. Ob Balleroberungen, abgefangene Pässe, gewonnene Zweikämpfe oder Ballgewinne im letzten Drittel – der HSV-Neuzugang lieferte durch die Bank Topwerte.

Damit passt er nahezu perfekt zu dem Profil, das Merlin Polzin für seine Mannschaft sucht. Der HSV definierte sich bereits in seiner ersten Bundesliga-Saison stark über Intensität und Arbeit gegen den Ball. Daran dürfte sich vorerst nicht allzu viel ändern. Sportvorständin Kathleen Krüger brachte es bei der Bekanntgabe des Transfers treffend auf den Punkt: „Martin ist ein selbstloser Teamplayer, der auf dem Platz sehr stark für das Kollektiv arbeitet.“

Warum der HSV überzeugt war

Dass sich die Hamburger so intensiv um Adeline bemühten, überrascht deshalb kaum. Der Nord-Klub verfolgte den Franzosen über Monate hinweg. Chefscout Sebastian Dirscherl ließ ihn mehrfach live beobachten, insgesamt soll der HSV ihn rund 20-mal gescoutet haben. Als sich schließlich die Möglichkeit ergab, den Spielmacher trotz seines stark gestiegenen Marktwertes zu verpflichten, schlugen die Verantwortlichen zu.

Auch Adeline selbst wollte den Wechsel unbedingt. „Die Gespräche mit dem HSV haben mir von Anfang an ein sehr gutes Gefühl gegeben“, erklärte er nach seiner Unterschrift. Neben dem sportlichen Projekt spielte auch die Atmosphäre rund um den Verein eine wichtige Rolle. „So ein schönes Stadion kenne ich in Frankreich nur vom Stade Vélodrome, in dem Olympique Marseille spielt“, sagte er über die Kulisse im Volksparkstadion, die er bislang lediglich auf Videos gesehen hat.

Wo liegen die Risiken?

Trotz aller Vorschusslorbeeren ist Adeline natürlich kein fertiger Spieler. „Seine wohl größte Schwäche ist, dass er gegen den Ball teilweise ein wenig zu aktiv ist und dadurch des Öfteren überspielt wird“, analysiert Haffke. Zudem sei der Franzose körperlich nicht übermäßig robust und verliere aufgrund seiner risikoreichen Spielweise auch immer wieder Bälle. Das dürfte insbesondere in der Bundesliga stärker bestraft werden als noch in Frankreichs zweiter Liga.

Gleichzeitig ist genau diese Risikobereitschaft ein wesentlicher Bestandteil seines Spiels. Kreative Spieler müssen Fehler machen dürfen, um besondere Momente erzeugen zu können.

Martin Adeline
Foto: IMAGO

Mehr als nur ein Fußballer

Abseits des Platzes beschreibt sich Adeline als neugierigen Menschen. Er interessiert sich für Kultur, besucht gerne Ausstellungen und reist viel. Diese Offenheit geht nach eigenen Aussagen maßgeblich auf seine Mutter zurück, die ihm bereits früh verschiedene Länder und Kulturen näherbrachte.

Mit Blick auf seine Vorbilder tätigte er ebenfalls die eine oder andere spannende Aussage. „Ich schaue mir viel von Kylian Mbappé ab, was die Persönlichkeit angeht“, so Adeline. Sein fußballerisches Idol bleibe dagegen Lionel Messi. Besonders bemerkenswert ist jedoch ein anderer Vergleich: „Wenn wir ein Tor machen, werde ich sehr emotional und kann mich manchmal gar nicht mehr kontrollieren, so wie Thomas Müller.“

Soforthilfe statt Langzeitprojekt?

Bei allen möglichen Parallelen lautet die spannendste Frage naturgemäß: Wie schnell kann der Regisseur einen positiven Impact auf das Spiel des HSV haben? „Prinzipiell denke ich, dass Adeline eher eine Soforthilfe sein wird“, zeigt sich Haffke optimistisch. „Er hat trotz seines jungen Alters schon einiges gesehen im Herrenbereich. Dazu hat der HSV ja bereits ein paar französischsprachige Spieler im Team, was bei seiner Integration sicherlich eine Rolle spielen kann. Dazu ist er aufgrund seines vielseitigen Profils auch ein Spieler, der sich in ein Team und ungewohnte Umstände hineinarbeiten kann“. Gerade seine Qualitäten im Spiel gegen den Ball würden ihn „prädestiniert für eine gute Rolle unter Merlin Polzin“ machen.

Ein weiterer Pluspunkt: Adeline kann nahezu die gesamte Vorbereitung beim HSV mitmachen. Wegen des frühen Zeitpunkts seiner Verpflichtung bleiben ihm fast sieben Wochen, um sich für den Bundesliga-Auftakt bei Borussia Dortmund (29. August, 18.30 Uhr) zu empfehlen. Seinen Traum vom Debüt im Volksparkstadion kann sich der Neuankömmling aber schon am 1. August erfüllen. Dann trifft der HSV im Rahmen des Volksparkfestivals auf den FC Everton. Gegen den englischen Traditionsklub will Adeline den hanseatischen Anhängern eine erste Kostprobe seiner Qualitäten kredenzen.

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