Die Entscheidung ist laut übereinstimmenden Medienberichten gefallen: Kathleen Krüger übernimmt als neue Sportvorständin beim HSV!
Damit tritt die 40-Jährige die Nachfolge von Stefan Kuntz an, der seinen Posten zum Jahreswechsel verlassen hatte. Im Anschluss beließen die Rothosen die Position zunächst bewusst vakant und nahmen sich Zeit für eine sorgfältige Neubesetzung. Gemeinsam mit der Agentur Pedersen & Partners – vertreten durch Headhunter Henrik Mook – initiierte der Aufsichtsrat einen vielschichtigen Auswahlprozess.
Am Dienstag votierte das Gremium mehrheitlich für Krüger, die sich gegen durchaus namhafte Konkurrenz durchgesetzt hat. In den vergangenen Monaten wurden diverse Bundesliga-Größen wie Sebastian Kehl oder Stefan Reuter gehandelt. Laut Hamburger Abendblatt habe der HSV sogar bei Markus Krösche (Eintracht Frankfurt) und Fabian Wohlgemuth (VfB Stuttgart) angefragt. Doch die Bayern-Funktionärin überzeugte die Aufsichtsräte auf ganzer Linie und erhielt letztlich den Zuschlag.
Kathleen Krüger: Ein Leben für den FC Bayern
Aber wer ist die Frau, die in naher Zukunft das Ruder im Volkspark übernimmt? Krüger, geboren im Münchener Vorort Eiching, war einst als Profifußballerin aktiv. Zwischen 2004 und 2009 spielte sie für den FC Bayern. Schon während ihres gesamten Lebens hegt Krüger eine innige Verbindung zum deutschen Rekordmeister. Anfang der 1990er-Jahre besuchte sie zusammen mit ihrem Bruder und Vater regelmäßig die Heimspiele.
Als 18-Jährige zog es sie dann selbst zum FCB. Ein Jahr lang spielte sie in Zweitvertretung, ehe sie 2004 in die erste Mannschaft aufstieg und dort bis 2009 insgesamt 33 Pflichtspiele absolvierte. Ihre aktive Karriere beendete die frühere Mittelfeldspielerin im Alter von nur 24 Jahren aufgrund von Verletzungen. Hinzu kam, dass Aufwand und der damals noch sehr geringe finanzielle Ertrag im Frauenfußball in keinem Verhältnis standen.

Doch Krüger blieb dem Sport treu und begann ein Studium des Internationalen Managements. Parallel dazu übernahm sie organisatorische Aufgaben im Umfeld der Münchener Frauenmannschaft. Als ihr 2009 der Job als Assistentin des damaligen Sportdirektors Christian Nerlinger angeboten wurde, brach sie ihr Studium nach nur einem Semester ab. Unter dem 2012 installierten Sportvorstand Matthias Sammer setzte sie ihre Tätigkeit fort – auch wenn es beinahe zu einer Trennung gekommen wäre.
Laut eines Berichts der Sport Bild stellte Sammer bei seinem Amtsantritt die Wichtigkeit von Krügers Rolle infrage und war sogar zu einer Kündigung bereit. Als Trainer Jupp Heynckes davon erfuhr, ging er sofort zu Vereinspräsident Uli Hoeneß. „Wenn Kathleen gehen muss, dann gehe ich auch“, soll er klargestellt haben.
Bayern-Stars loben Krüger in den höchsten Tönen
Krüger blieb also in München und wurde später zur Teammanagerin ernannt. Sammer schien seine Meinung innerhalb kürzester Zeit um 180 Grad geändert zu haben und sorgte dafür, dass seine Angestellte näher an die Mannschaft heranrückte. „Er hat mich dann aus dem Büro rausgezogen“, erklärte Krüger einst im offiziellen Vereinspodcast des FC Bayern. Fortan war sie für alle organisatorischen Belange rund um die Mannschaft verantwortlich.
In dieser Funktion erarbeitete sich die Aufsteigerin schnell ein exzellentes Standing und erhielt im Laufe der Jahre immer mehr Entscheidungsfreiheiten. Auch vor Konfrontation schreckte sie dabei nicht zurück: Unter Trainer Carlo Ancelotti herrschte an der Säbener Straße ein weniger striktes Reglement. Co-Trainer Giovanni Mauri rauchte sogar auf dem Trainingsplatz, worauf hin er von Krüger eine klare Ansage erhielt.
Diese Balance aus der gebotenen Strenge einerseits sowie Freundlichkeit und Empathie andererseits machte die Funktionärin für den Serienmeister nahezu unentbehrlich und verschaffte ihr innerhalb der Mannschaft große Wertschätzung. So sehr, dass sie als einzige Person außerhalb des Kaders sogar Teil der internen WhatsApp-Gruppe des Teams gewesen sein soll.
„Sie ist die, die die Mannschaft zusammenhält“, erklärte einst Thomas Müller. Torhüter Manuel Neuer attestierte der Teammanagerin einen „überragenden Job“. Rafinha ging sogar noch weiter und bezeichnete Krüger als „die Seele der Mannschaft“. Mit Serge Gnabry, Joshua Kimmich und David Alaba baute sie überdies eine Freundschaft auf. „Es gibt Spieler, die kommen auch einfach mal 30 Minuten vor dem Training ins Büro und mit denen spricht man dann auch mal über private Dinge“, berichtete Krüger in besagter Podcast-Folge. „Gefühlt ist man da auf einer Wellenlänge“.

Auf einer Wellenlänge war Krüger auch mit Startrainer Pep Guardiola. Nach seinem Abgang zu Manchester City wollte der Spanier seine ehemalige Weggefährtin sogar in den Norden Englands locken. Co-Trainer Domenec Torrent erklärte zudem: „Du wirst immer in meinem Herzen sein“.
Doch Krüger blieb in München, wo sie aufgrund ihrer Wichtigkeit ein unbefristetes Arbeitspapier besitzt. Unter Triple-Trainer Hansi Flick war ihr Einfluss besonders groß. 2022 wurde sie sogar mit dem bayrischen Verdienstorden ausgezeichnet. „Kathleen Krüger zeigt eindrucksvoll, dass Frauen in vermeintlich männerdominierten Bereichen der Gesellschaft mittlerweile unverzichtbar geworden sind, und ist damit ein echtes Vorbild“, begründete Ministerpräsident Markus Söder die Wahl.
Gerüchte über Rollenwechsel: Verkrachte sich Krüger mit Sané?
Erst 2024, also nach zwölf Jahren, verließ sie ihren Posten als Teammanagerin. Über die entscheidenden Gründe für diesen Positionswechsel herrscht keine endgültige Gewissheit. Wie unter anderem die tz berichtete, wurden innerhalb von Team und Staff große Kritik an Krügers Führungsstil laut. Man sagte ihr einen teils strengen, distanzierten Umgang nach, verbunden mit einem klaren Befehlston.
Einige Spieler sollen demnach einen besonders „schweren Stand“ gehabt haben. Ein oft genanntes Beispiel: Leroy Sané musste nach einer Verspätung eigenständig zum Flughafen reisen, nachdem Krüger ihn bewusst für eine Reise mit dem Mannschaftsbus ausgeplant hatte – offenbar, um ein klares Zeichen zu setzen.
Seit der Saison 2024/25 leitet die Ex-Fußballerin nun als Senior Leading Expert Sport Strategy & Development eine Stabsstelle im Vorstandsbereich Sport der FC Bayern München AG, die die Koordination, Evaluierung und Optimierung aller Verbindungen und Synergien im Bereich Sport verantwortet. In dieser Funktion war Krüger nicht mehr für die Mannschaft, sondern für übergeordnete Klub-Themen zuständig.
Unter anderem kümmerte sie sich um den Neubau des Trainingszentrums an der Säbener Straße. Laut Bild schloss Krüger zudem Schul-Partnerschaften für die Jugendspieler des Vereins ab und unterstützte Campus-Leiter Jochen Sauer. Zudem soll sie einen guten Draht zu Chefcoach Vincent Kompany gehabt und sogar an Transfers mitgewirkt haben.
Nur die Raute – Alle News rund um den HSV
Krüger soll den HSV in die Zukunft führen
Die Aufsichtsräte des HSV waren von diesem vielschichtigen Lebenslauf derart beeindruckt, dass sie der Kandidatin auch eine Rolle in vorderster Position zutrauen. An der Seite von Finanz-Fachmann Eric Huwer wird Krüger zukünftig also den Vorstand des HSV bilden und damit so sehr in der Öffentlichkeit stehen wie noch nie zuvor. Denn: Mit Interviews hielt sich die Bayerin bislang auffallend zurück. Als die Sport Bild Manuel Neuer vor einigen Jahren zur Rolle von Krüger befragen wollte, holte sich der Keeper erst die Erlaubnis ein, ob er öffentlich über sie sprechen dürfe.
Doch nicht nur kommunikativ warten im Volkspark große Aufgaben. Aller Voraussicht nach dürfte es im Sommer zu einem erneuten sportlichen Umbruch kommen. Sechs Leihspieler könnten zu ihrem Stammverein zurückkehren, dazu laufen die Verträge von Ransford Königsdörffer, William Mikelbrencis und Daniel Heuer Fernandes (zumindest im Fall eines Abstiegs) aus. Was hilfreich sein dürfte: Krüger und HSV-Sportdirektor Claus Costa, der sich weiterhin hauptverantwortlich für die Gestaltung des Kaders zeigen wird, kennen sich bereits. Gemeinsam haben beide den Manager-Lehrgang des DFB absolviert.

Wann genau die Süddeutsche ihre Stelle beim HSV antritt, ist noch offen. Auch eine offizielle Verkündung der Zusammenarbeit steht selbstredend noch aus. Doch die Spatzen pfeifen mehr als nur von den Dächern, dass fortan eine eingefleischte Münchenerin die Geschicke in der Hansestadt lenken wird.
Krüger ist übrigens nicht die erste weibliche Vorständin des HSV. Als damals erste Frau in der Bundesliga arbeitete Katja Kraus zwischen 2003 und 2011 als Marketingvorständin. Nach dem Aus von Dietmar Beiersdorfer übernahm sie 2009 sogar interimistisch dessen Sportvorstandsposition. In eben jene Rolle wird nun Krüger schlüpfen.

