Das Nordderby bei Werder Bremen verlief für den HSV auf allen Ebenen enttäuschend. Auch die sonst hochgelobten Fans sorgten für Ärger.
Weit nach Schlusspfiff kam es im Weserstadion nicht nur auf dem Spielfeld – eine Rudelbildung mündete in zwei Roten Karten – zu unschönen Szenen. So wurde aus dem nicht mehr allzu prall gefüllten Gästeblock kleine Leuchtfeuer in die anliegenden Bereiche und eine Leuchtrakete in Richtung Bremer Fankurve geschossen, wo die Spieler noch den 3:1-Triumph bejubelten. Darüber hinaus wurde eine Toilette in Brand gesetzt. „Da braucht man keine Wortklaubereien zu bemühen, sondern da wurde eine Grenze überschritten. Das ist ein absolutes No-Go“, schimpfte HSV-Vorstand Eric Huwer.
Weiter stellte er klar: „Wir werden den Bremer Kollegen und Behörden behilflich sein, die Verursacher dessen zu identifizieren.“ Das Fehlverhalten dürfte für einige Hamburger Anhänger noch ein strafrechtliches Nachspiel haben. Die eigenen Fans nahm Huwer aber nicht in Geiselhaft, denn der Großteil verhielt sich friedlich: „Wir bekennen uns klar zur Fankultur. Wir haben gestern im Stadion von beiden Lagern tolle Bilder gesehen.“

HSV: Huwer mit „totalem Vertrauen“
Ohnehin sei der HSV ein Club, „der diesbezüglich immer extrem positive Schlagzeilen geschrieben hat“. Sportlich machte er zuletzt nicht mehr allzu viel Freude. Aus den letzten neun Partien sprangen nur sechs Punkte heraus. Angesichts des schwierigen Restprogramms, das nur noch Duelle mit Europapokal-Aspiranten enthält, droht der Fall auf den Relegationsplatz. Der Vorsprung auf den zurzeit vom FC St. Pauli belegten Relegationsplatz beträgt nur noch fünf Zähler.
Huwer ist sich der Situation bewusst, betonte aber auch: „Wir stehen zu diesem Zeitpunkt fünf Punkte vor dem Relegationsplatz – das hätte ich vor der Saison unterschrieben, auch wenn es sich heute nach der Derby-Niederlage natürlich nicht gut anfühlt.“ Aus seiner Sicht fand der HSV bislang einen guten Umgang mit Rückschlägen, meldete sich etwa nach der Klatsche in München (0:5) oder dem Pokalaus gegen Kiel überzeugend zurück.
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„Wir sind jetzt wieder an einem Punkt, an dem wir uns alle in die Pflicht nehmen. Es gibt immer Rückschläge, aber entscheidend ist, wie groß unsere mentale Power ist, damit umzugehen und wieder aufzustehen. Diesbezüglich habe ich totales Vertrauen in die Gruppe“, betonte Huwer. Trainerteam und Kader werden am Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim versuchen, die Worte ihres Vorgesetzten zu bestätigen.
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