Dem HSV steht im kommenden Sommer womöglich ein weiterer Umbruch bevor. Eine Riege an Spielern befindet sich ganz besonders im Fokus.
Denn in beiden Transferperioden dieser Saison legten die Rothosen ein großes Augenmerk auf Leihspieler. Insgesamt sieben Neuzugänge auf Zeit zog Sportdirektor Claus Costa an Land – mal mit, mal ohne Kaufoption.
Unterzieht man jene Leihgaben einer sportlichen Bewertung, fallen die Unterschiede frappierend aus. Während sich einige Deals als absolute Volltreffer entpuppten, hinken andere den teilweise hohen Erwartungen deutlich hinterher.
Die alles entscheidende Frage lautet jedoch: Welche Profis werden auch in der kommenden Spielzeit im Volkspark auflaufen – und wenn zieht es zurück zu seinem Stammverein? Eine Bestandsaufnahme.
Luka Vuskovic (Tottenham Hotspur)
Über keinen anderen HSV-Spieler wurde in den letzten Monaten derart viel geschrieben. Ohne jegliche Eingewöhnungszeit hat sich Luka Vuskovic zum unumstrittenen Abwehr-Boss der Hanseaten entwickelt. Der Kroate dominiert an beiden Enden des Feldes, dirigiert seine Mitspieler und spielt die vielleicht stärkste Saison eines U20-Verteidigers, welche die Bundesliga je gesehen hat.
Das ist Fluch und Segen zugleich. So haben Vuskovic‘ Leistungen nahezu alle europäischen Top-Klubs auf den Plan gerufen. Insbesondere der FC Barcelona gilt als stark interessiert. Es scheint, als wäre der 18-Jährige sogar seinem im Abstiegskampf der Premier League steckenden Arbeitgeber Tottenham Hotspur entwachsen.
Das aktuell wahrscheinlichste Szenario lautet daher: Das Ausnahmetalent kehrt im Sommer zu den Spurs zurück und wird anschließend für eine stattliche Ablösesumme zu einem Weltverein transferiert. Die HSV-Hoffnung auf ein weiteres Vuskovic-Jahr an der Seite seines aktuell noch dopinggesperrten Bruders Mario dürfte sich also zeitnah zerschlagen. Die bittersüße Wahrheit lautet: Der Teenager ist schlichtweg zu gut!
Fabio Vieira (FC Arsenal)
Selbiges müsste eigentlich auch für Fabio Vieira gelten. Dass der technisch hochveranlagte Portugiese überhaupt bei einem Bundesliga-Aufsteiger gelandet ist, gleicht ohnehin einem Fehler in der Fußball-Matrix. Hinzu kommt: Die im Deal verankerte Kaufoption von 20 Millionen Euro wird der HSV keinesfalls bezahlen können.
Aber womöglich muss er das auch gar nicht. Denn: Sowohl menschlich als auch sportlich kommt Vieira immer besser in Hamburg an. Der 25-Jährige und seine Familie fühlen sich im Norden Deutschlands pudelwohl und können sich einen langfristigen Verbleib vorstellen. Wie Bild erst kürzlich berichtete, habe sich der Regisseur mit dem HSV bereits auf einen Anschlussvertrag ab Sommer geeinigt.

Das Gebot der Stunde lautet also, eine Einigung mit dem FC Arsenal zu finden. Sollten sich die Gunners auf eine Ablösesumme im hohen einstelligen Millionenbereich inklusive möglicher Boni runterhandeln lassen, stehen die Chancen auf weitere Vieira-Jahre in blau, weiß und schwarz überaus vielversprechend. Ein Faustpfand in den Gesprächen: Der Linksfuß steht in London nur noch bis 2027 unter Vertrag und will unter keinen Umständen dorthin zurückkehren!
Giorgi Gocholeishvilli (Shakthar Donetsk)
Nach einem starken Saisonstart ließ die Form von Giorgi Gocholeishvili in den letzten Wochen und Monaten deutlich nach. Lediglich ein Startelfeinsatz in den letzten elf Spielen zeigt gnadenlos auf: Hinter William Mikelbrencis und Bakery Jatta ist er aktuell nur die dritte Wahl auf der rechten Schienenposition.
Leidenschaft und Einsatz stimmen nahezu immer, doch sportlich konnte der Georgier zuletzt kaum noch überzeugen. Besonders gegen Bayer 04 Leverkusen (0:1) wirkte er unsicher und teilweise überfordert. Die Kaufoption über vier Millionen Euro wird der HSV daher wohl kaum ziehen. Alle Zeichen deuten aktuell darauf hin, dass Gocholeishvili im Sommer nach Donetsk zurückkehrt.
Damion Downs (FC Southampton)
Damion Downs kam im Winter vom FC Southampton, um das gravierende Sturm-Problem des HSV zu lösen. Doch eine erste Zwischenbilanz liest sich ernüchternd: Nach acht Einsätzen wartet der US-Amerikaner noch immer auf seine erste Torbeteiligung.
Viele Fans sehen den 21-Jährigen überaus kritisch und sprechen von einem der größten Transferflops der letzten Jahre. Cheftrainer Merlin Polzin hingegen lobt immer wieder seinen Wert im Spiel gegen den Ball.
Die Kaufoption von rund zehn Millionen Euro wird der Aufsteiger trotzdem unter keinen Umständen aktivieren. Ein Deal käme allenfalls bei deutlich reduzierter Ablöse infrage. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass das Downs-Kapitel beim HSV nach nur wenigen Monaten ein schnelles Ende findet.
Albert Grønbaek (Stade Rennes)
Unter allen Leihen ist die von Albert Grønbaek das bisher größte Missverständnis. Der Grund dafür ist simpel: Er wartet noch immer auf seinen ersten Einsatz!
Angeschlagen in Hamburg angekommen, folgte eine weitere Faszienverletzung im Oberschenkel, die ihn für drei Wochen außer Gefecht setzte. Erst seit einer Woche nimmt der 24-Jährige wieder vollumfänglich am Mannschaftstraining teil. Nachdem es gegen Köln noch nicht für eine erste Kadernominierung reichte, könnte es am kommenden Wochenende gegen Borussia Dortmund soweit sein.

Inmitten des Abstiegskampfes wird Grønbaek allerdings nicht mit sofortiger Wirkung in eine tragende Rolle schlüpfen. Sein letztes Pflichtspiel bestritt er am 14. Dezember für FC Bologna. Nur herausragende Ansätze in seinen kommenden Einsätzen könnten eine Aktivierung der Kaufoption über fünf Millionen Euro rechtfertigen.
Philip Otele (FC Basel)
Im Gegensatz zu Grönbaek kam Philip Otele sofort im Volkspark an. Nur wenige Tage nach seinem Transfer stand er gegen Heidenheim (2:0) bereits in der Startelf und bereitete einen Treffer vor. Doch bei dieser Ausbeute ist es seitdem geblieben.
Der 26-Jährige stand zwar in fünf von sieben möglichen Begegnungen in der Startelf, konnte den starken ersten Eindruck allerdings nicht bestätigen. Gegen Köln verzichtete Polzin sogar gänzlich darauf, einen klassischen Flügelspieler wie Otele aufzustellen.
Im Falle des Nigerianers ist die Situation daher so offen wie bei keiner anderen Leihgabe: Hinterlässt er in den verbleibenden acht Bundesliga-Spielen einen starken Eindruck, erscheint ein dauerhafter Transfer durchaus realistisch. Setzt sich der aktuelle Trend fort, dürfte er allerdings zum FC Basel in die Schweiz zurückkehren. Seine Kauoption liegt bei 4,5 Millionen Euro.
Nur die Raute – Alle News rund um den HSV
Warmed Omari (Stade Rennes)
Bei Warmed Omari sind die Fronten derweil geklärt! Anfang Februar gab der HSV bekannt, die Kaufoption gezogen und den 25-Jährigen langfristig an den Verein gebunden zu haben. Dafür überweisen die Hanseaten 2,2 Millionen Euro an Ligue-1-Klub Stade Rennes. In der nächsten Saison wird der Innenverteidiger also weiterhin zum Team gehören.
Aber: Nach einem starken Saisonstart wurde Omari im September von einem schweren Außenbandriss ausgebremst. Infolge seiner Rückkehr konnte er bislang noch nicht an die starken Leistungen des Saisonstarts anknüpfen. Trotzdem rechtfertigen seine bisherigen Auftritte die verhältnismäßig geringe Ablösesumme schon jetzt.

