Der HSV sorgte im vergangenen Sommer mit der Verpflichtung von Yussuf Poulsen für einen echten Paukenschlag. Viele Beobachter zeigten sich verwundert darüber, dass der Däne zu einem Aufsteiger wechselte.
Bislang aber ist die Bilanz ernüchternd, weshalb sich TV-Experte Dietmar Hamann in seiner Skepsis bestätigt fühlt. „Den Poulsen-Transfer habe ich im Sommer nicht verstanden“, der Sky-Experte vor dem Stadtderby gegen den FC St. Pauli und wurde dabei deutlich: „Er hatte länger in Leipzig nicht gespielt. Ein Torjäger war er zudem nie.“
Tatsächlich konnte der 31-Jährige beim HSV bislang kaum Akzente setzen. In acht Kurzeinsätzen kommt der 87-malige dänische Nationalspieler auf lediglich 209 Bundesliga-Minuten und ein Tor.
Für Hamann ist das kein Zufall. „Das ist so bei den Stürmern, die über 30 sind. Wenn sie einen halben Meter verlieren, wird es noch schwieriger“, führte der frühere Nationalspieler aus. Trotz persönlicher Wertschätzung bleibt er kritisch: „Ich will ihm nichts Böses, er ist ein super Junge. Aber war er der richtige Spieler zum richtigen Zeitpunkt?“ Besonders eine Begründung für den Transfer stößt Hamann sauer auf: „Wenn ich höre, dass ein Stürmer geholt wird, weil er ein Anlaufspieler ist, stellen sich mir die Haare auf! Deshalb bin ich gespannt, wie es weitergeht.“
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Hamann spricht über HSV-Ladehemmung
Unabhängig von der Personalie Poulsen bereitet die Offensive den Hamburgern große Sorgen. „Der HSV hat nur 17-mal getroffen. Die Mittelstürmer jeweils nur einmal. Mir fehlt bei den Gästen die Fantasie, wer ein Tor machen sollte“, analysierte Hamann mit Blick auf das am Freitagabend (20.30 Uhr, Sky) anstehende Duell am Millerntor.
Einen Rat richtet er deshalb an Trainer Merlin Polzin. „Ich würde mir wünschen, wenn du schon mal so einen Abschlussstürmer wie Robert Glatzel hast, ihn auch aufzustellen“, forderte Hamann. „So ein Angreifer muss auch die Freiheiten bekommen, mal stehenzubleiben. Die Kraft sollte er sich bewahren für die zwei, drei Situationen, in denen er das Tor erzielen kann.“ Glatzel gebe den Rothosen „etwas, was sie nicht haben“.
So oder so hält der Chefkritiker des deutschen Fußballs das Derby für richtungsweisend. Gewinnt der HSV, „werde es keine Diskussionen geben“, so Hamann. „Aber solltest du verlieren, würde die ganze Diskussion über die Sturmproblematik beim HSV ein anderes Gewicht bekommen.“

