Am Mittwochmittag hat der HSV seinen ersten Neuzugang dieses Transfer-Winters präsentiert und damit ein zentrales Problem adressiert.
Mit Damion Downs verstärken die Rothosen ihr Sturmzentrum – also jene Position, die sich in der Hinrunde als mit Abstand größte Baustelle erwiesen hatte. Der 21-Jährige kommt bis zum Saisonende auf Leihbasis vom englischen Zweitligisten FC Southampton. Zudem besitzt der HSV laut Bild-Informationen eine Kaufoption in Höhe von rund zehn Millionen Euro.
Downs könnte damit mehr als nur eine kurzfristige Lösung sein. Vielmehr verbindet der HSV mit seinem neuen Angreifer die Hoffnung, Planungssicherheit im Zentrum zu entwickeln. Denn die nackten Zahlen der Hinrunde sind ernüchternd: Robert Glatzel, Ransford Königsdörffer und Yussuf Poulsen erzielten jeweils nur einen Treffer. Aktuell steht sogar nur Königsdörffer zur Verfügung. Glatzel laboriert weiter an den Folgen eines Muskelfaserrisses, Poulsen fällt noch bis in den Februar hinein aus und offenbarte in den vergangenen Monaten, dass mit seinem Gesundheitszustand nur bedingt planbar ist.
Umso größer ist nun die Erwartung an Downs, der verpflichtet wurde, um genau diese Lücke zu schließen. Zwei Gründe waren für seine Entscheidung pro HSV ausschlaggebend: das frühzeitige Interesse der Hamburger – kurz nach dem letzten Pflichtspiel 2025 wurde es öffentlich – sowie das hartnäckige Werben von Sportdirektor Claus Costa. Dieser überzeugte den Angreifer mit einer detaillierten Stärken-Schwächen-Analyse. Ein Aufwand, der nötig war, denn die Konkurrenz war groß. Zahlreiche Klubs aus dem In- und Ausland buhlten um Downs, der HSV galt zunächst lediglich als Außenseiter.
Damian Downs: Seine Stärken und Schwächen
Aber wer ist der neue Hoffnungsträger der Hanseaten eigentlich? Geboren wurde Damion Downs am 6. Juli 2004 im bayerischen Werneck. Er besitzt neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft und verbrachte einen Teil seiner Kindheit in den Vereinigten Staaten. Mit seiner Familie lebte er im Bundesstaat Texas, sprach Englisch als erste Sprache und spielte zunächst American Football. Den Fußballsport betrieb er erst nach seiner Rückkehr nach Deutschland intensiver.
Das Kicken begann Downs beim 1. FC Schweinfurt und beim FC Ingolstadt, ehe er im Sommer 2020 in die Jugendabteilung des 1. FC Köln wechselte. Dort arbeitete er sich kontinuierlich nach oben und feierte am 23. September 2023 sein Bundesliga-Debüt. In der Kölner Abstiegssaison rückte er schrittweise in den Profikader auf und erzielte in zehn Einsätzen zwei Tore. Der eigentliche Durchbruch folgte jedoch in der anschließenden Zweitliga-Saison 2024/25: Mit elf Toren und sechs Vorlagen in 32 Pflichtspielen machte der Youngster international auf sich aufmerksam.

Dazu bringt Downs ein für den HSV gänzlich neues Profil mit. Der 1,92 Meter große Rechtsfuß ist pfeilschnell, erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von über 35 km/h und kann damit vor allem im Umschaltspiel zur Waffe werden. Gleichzeitig ist er aufgrund seiner Physis zumindest theoretisch prädestiniert für Luftduelle im Strafraum. Doch obwohl er beste körperliche Voraussetzungen mitbringt, ist sein Kopfballspiel noch etwas unausgereift. Nur eines seiner zehn Saisontore in der Vorsaison erzielte er per Kopf. Die übrigen Treffer resultierten aus sechs Abschlüssen mit dem rechten Fuß, dazu kamen drei weitere mit links.
Auffällig ist dabei seine klare Strafraumorientierung: Neun seiner zehn Tore erzielte Downs aus der Box, ein weiteres von der Strafraumkante. Insgesamt 110 Ballberührungen im gegnerischen Sechzehner stellen einen außerordentlich guten Wert dar, den auch unter Stürmern nur wenige Spieler erreichen.
Trotz seiner Mobilität ist Downs somit kein klassischer Verbindungsspieler, sondern ein Angreifer, dessen Stärken klar im Abschluss liegen. Im Kombinationsspiel hingegen offenbaren sich Defizite, auch im Dribbling stellt er bislang keine wirkliche Gefahr dar. Seine Erfolgsquote lag in der vergangenen Spielzeit bei lediglich 39,3 Prozent. Positiv hervorzuheben ist jedoch sein Auge für den Nebenmann. Sechs Assists belegen, dass er Mitspieler durchaus einzusetzen weiß, auch wenn er kein Stürmertyp für enge Räume ist.
Southampton-Experte übt Kritik an Ballbehandlung
Dass Downs trotz dieses interessanten, wenn auch unausgereiften Skillsets in Southampton so gar nicht Fuß fassen konnte, wirft Fragen auf. Die Umstellung auf den englischen Fußball fiel ihm sichtbar schwer. In seinen wenigen Einsatzzeiten zu Saisonbeginn blieb er nahezu wirkungslos, Ende November kam eine Verletzung hinzu, die ihn satte zehn Partien kostete. Seine Bilanz liest sich letztlich ernüchternd: elf Spiele, zehn davon als Joker, lediglich 275 Einsatzminuten, kein Tor, eine einzige Vorlage.
Entsprechend deutlich fällt das Urteil von Martin Sanders aus, ein Southampton-Experte der englischen Newspage Football League World. „Ich denke, es wäre das Beste für ihn, wenn er auf Leihbasis wechselt. Er hat hier wirklich sehr zu kämpfen gehabt. Es war eine sehr schwere Zeit für ihn“, sagte Sanders. Und weiter: „Die Fans sind nicht beeindruckt. Er hat sich schwer getan, in irgendeiner Hinsicht Qualität zu zeigen. Er hat nichts gezeigt, was einen begeistern könnte.“ Eine klare Schwäche machte Sanders ebenfalls aus: „Seine Ballbehandlung ist nicht besonders gut. Außerdem wirkt er manchmal zu lässig.“
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Die schwache Phase in England blieb auch für Downs’ Nationalmannschaftskarriere nicht folgenlos. Zwar absolvierte er bereits sechs Länderspiele für die USA, sein letzter Einsatz liegt jedoch vier Monate zurück. Es folgten zwei Nicht-Nominierungen, zuletzt fand er sich sogar im Kader der U21 wieder. Dabei verfolgt Downs eigentlich ein klares Ziel: Er möchte unbedingt an der Heim-Weltmeisterschaft im kommenden Sommer teilnehmen. Regelmäßige Spielpraxis ist daher eines seiner Hauptmotive für den Wechsel nach Hamburg.
Für den HSV ist die Verpflichtung somit Chance und Risiko zugleich. Man erhält einen Spieler, der sich beweisen will und muss. Man erhält einen Angreifer, dessen Profil es im Kader bislang nicht gibt und dessen physische und athletische Qualitäten gut zum Spielstil von Trainer Merlin Polzin passen könnten. Gleichzeitig holt man einen Stürmer, der klare Lücken in seinem Spiel aufweist und dessen letztes Pflichtspieltor vom 20. April des vergangenen Jahres datiert. Ob Damion Downs wirklich die erhoffte Lösung im Sturmzentrum des HSV ist, wird sich nun zeigen.

