Der plötzliche Abgang von Stefan Kuntz sorgte zum Jahresbeginn für Aufregung beim HSV. In einer zentralen Rolle befindet sich nun Claus Costa.
Dieser arbeitet mittlerweile seit über sechs Jahren für den Hamburger SV. Seit März 2023 fungiert Costa als Sportdirektor, verlängerte erst jüngst seinen Vertrag. Damit besaß er ohnehin schon massiven Einfluss auf die Transfers. Durch den Abgang von Sportvorstand Stefan Kuntz, dessen Posten nicht direkt nachbesetzt wird, erhält der 41-Jährige allerdings nochmals mehr Verantwortung.
Bislang wirkte der von Jonas Boldt einst als Chefscout geholte Costa an fünf Winter-Transferperioden mit. Die Ausbeute lässt allerdings doch sehr zu wünschen übrig. Insgesamt kamen zwölf Profis, von der die Mehrheit schnell wieder in Vergessenheit geriet. Leihspieler wie Louis Schaub, Giorgi Chakvetadze, Masaya Okugawa oder Adedire Mebude setzten keinerlei nennenswerten Akzente.
Pohjanpalo lieferte ab, Montero patzte am laufenden Band
Zu einem denkwürdigen Flop avancierte Javi Montero, der als Reaktion auf den Dopingbefund von Mario Vuskovic von Besiktas ausgeliehen wurde. Er sah während seiner fünf Einsätze gleich zweimal Gelb-Rot und war an mehreren Gegentreffern beteiligt. Das Sportmagazin kicker würdigte die Auftritte des Spaniers gleich dreimal hintereinander mit der Note 6,0. Nach der verloren gegangenen Relegation gegen Stuttgart trennten sich die Wege zwischen dem mittlerweile beim FC Malaga spielenden Montero und dem HSV.
Ebenfalls erfolglos blieb András Németh, für den die Hanseaten eine Ablöse von 750.000 Euro an den KRC Genk. Dieser startete sogar ansprechend mit zwei Jokertoren in den ersten drei Partien. Anschließend fiel der Angreifer jedoch nur noch beständiger Torungefährlichkeit aus. So blieb er in Deutschland – auch während seiner Leihe zu Preußen Münster – über zweieinhalb Jahre torlos und beendete die Flaute erst infolge des Wechsels nach Ungarn.

Ein anderer Mittelstürmer gilt hingegen als einziger Winter-Volltreffer seit der Ankunft von Costa. Joel Pohjanpalo wechselte Anfang 2020 auf Leihbasis von Bayer Leverkusen, wo der damalige HSV-Sportvorstand Boldt bereits mit ihm zusammenarbeitete, und traf in 14 Einsätzen gleich neunmal. Eine beeindruckende Quote, die letztlich jedoch nicht den Aufstieg brachte, da die Rothosen während der Geisterspiele zunehmend einbrachen. Nach einer denkwürdigen 1:5-Heimklatsche gegen Sandhausen mussten sie sich mit Rang vier abfinden.
Der Finne geht mittlerweile in der italienischen Serie B auf Torejagd und erledigt dort weiter zuverlässig seinen Job. Die Stürmersuche ist im laufenden Transferfenster ebenfalls eines der vorherrschenden Themen. Sollte Costa ein ähnlicher Glücksgriff wie Pohjanpalo gelingen, ist es höchstwahrscheinlich, dass der im bisherigen Saisonverlauf nur drei Stürmertore bejubelnde HSV das Ziel Klassenerhalt sicher erreichen wird.
Costa ist gefragter denn je
Im vergangenen Winter gelang es dem mit vielen Freiheiten ausgestatteten Costa gemeinsam mit Kuntz allerdings nicht, den Kader direkt zu verstärken. Für Alexander Røssing-Lelesiit und Aboubaka Soumahoro flossen zwar fünf Millionen Euro an Ablöse, doch sie mussten sich entweder erst einmal an die wesentlich intensivere und körperbetontere Spielweise anpassen oder hatten mit Verletzungsproblemen zu kämpfen.
Dass das Duo dem HSV weiterhelfen kann, zeigte es aber in der Hinserie. Røssing-Lelesiit verlängert erst kurz vor Weihnachten seinen Vertrag. Für Costa heißt es nun, eine gute Mischung aus Spielern mit großer Perspektive sowie gestandenen Akteuren, die direkt durchstarten können, zu finden. Der HSV will sich nämlich auf mehreren Positionen verstärken. Während im Sturm akuter Handlungsbedarf besteht, soll hinten links eine Alternative zu Miro Muheim etabliert werden bzw. ein Vorgriff auf einen möglichen Wechsel im Sommer erfolgen.
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Ganz unabhängig sollte sich die traditionell geringe HSV-Trefferquote im Winter erhöhen. Auch seitdem Costa einstieg, gab es keine Besserung. Nach dem Ausscheiden von Stefan Kuntz besitzt er das letzte Wort – und steht dementsprechend mehr im Blickpunkt als jemals zuvor!

